Von August an dürfen Europa- und Weltmeisterschaften auch auf künstlichem Grün ausgetragen werden
Kunstrasen erfüllt Fußball-Kriterien

Mit gesenktem Blick schritten die Herren am Montag über die 8 000 Quadratmeter große Rasenfläche in Münchens neuer Allianz-Arena. Aber statt sich wegen des 100 000 Euro kostbaren Grüns auf die Schulter zu klopfen, schauten die Architekten, Bodengutachter und Rasenbauer zusammen mit dem Platzwart ein wenig ratlos auf die erdigen Wunden, die Spieler und Wetter in den Rollrasen gerissen hatten.

HB FRANKFURT/M. Womöglich wäre den Verantwortlichen die Ernüchterung bereits eine Woche nach der glorreichen Eröffnung der Arena erspart geblieben, wenn sie statt des hochgezüchteten Naturrasens auf die Kunstware des schottischen Herstellers Bonar Yarns & Fabrics gebaut hätten. Das Unternehmen aus Dundee produziert einen Faserteppich, das alle Eigenschaften eines echten Grüns nachahmt, dabei aber widerstandsfähiger und pflegeleichter ist als Naturwiese.

Seit den 1960er Jahren arbeiten die Schotten an der Verbesserung ihrer Rasenimitate. Zur Zeit in der dritten Generation. Die High-Tech-Matten bestehen nicht einfach nur aus geflochtenen Fasern. Eine stoßdämpfende Gummimatte bildet die Basis für die einzelnen Faserbündel aus Polyethylen. Damit die Halme nicht umknicken und sich nach der Belastung wieder aufrichten, werden sie von Miniatur-Spiralen umschlossen. Ein Streu aus acht Millimeter großen Gummikügelchen sorgt im Gegensatz zu älteren Kunstrasen für eine natürliche Griffigkeit.

"Die Qualität ist teilweise besser als bei einem echtem Rasen", sagt Uefa-Generalsekretär Lars-Christer Olsson. Die Fußballverbände hatten in den frühen 1990er Jahren den Kunstrasen aus den Stadien verbannt. Die Bälle waren einerseits unnatürlich hoch abgesprungen. Andererseits boten die frühen Kunstrasen nicht genug Reibung, so dass die Spieler auf dem Grün schlidderten wie auf einer Eisfläche. Daher mussten die Spieler spezielle Schuhe tragen und liefen Gefahr, sich bei Stürzen an den Nylonschlingen zu verbrennen.

Seit Bonar Yarns & Fabrics die Serie "Bonaslide" entwickelt hat, sind Europas Fußballbosse wieder interessiert an dem künstlichen Boden, denn die Pflege eines Echtrasens ist sehr aufwendig und teuer - insbesondere in den luftdichten und lichtarmen Arenen. Während der Naturrasen zum Teil jährlich ausgetauscht werden muss, hält das Imitat bis zu zehn Jahre und kann ohne Beschädigung wieder entfernt werden.

Seite 1:

Kunstrasen erfüllt Fußball-Kriterien

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%