Wie der Fußball gegen Rassismus kämpft
Auf der Jagd nach Störenfrieden

Die neuen Regeln sind einfach und die Strafen durchaus hart – ein Streifzug durch die neuen Regeln und Gesetze, die den Rassismus in den Fußballstadien bestrafen sollen.
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BERLIN. „Verhalten sich Spieler, Offizielle oder Zuschauer in irgendeiner Form rassistisch oder menschenverachtend . . ., werden der betreffenden Mannschaft, sofern zuordenbar, beim ersten Vergehen drei Punkte und beim zweiten Vergehen sechs Punkte abgezogen. Bei einem weiteren Vergehen erfolgt die Versetzung in eine tiefere Spielklasse.“

So steht es im neuen Disziplinarreglement des Fußball-Weltverbandes Fifa, der sich den Kampf gegen Rassismus auf die Fahne geschrieben hat. Und zwar mit Null Toleranz. Vor einem Monat hat auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die entsprechenden Paragrafen wie von der Fifa vorgeschrieben in seine Rechts- und Verfahrensordnung übernommen. Theoretisch könnte es also ausreichen, wenn wenige Menschen in einem Fußballstadion oder auf einem kleineren Fußballplatz üble Parolen skandieren oder entsprechende Transparente entrollen, um einem Verein nachhaltig schweren Schaden zuzufügen. In der Praxis stellt sich natürlich die Frage der Verhältnismäßigkeit von Tat und Bestrafung, denn eine Hand voll Rechtsradikaler soll ja auch nicht die Macht bekommen, dem FC Bayern die Meisterschaft wegzunehmen.

Die Amateure von Hansa Rostock müssen beispielsweise 20 000 Euro Strafe zahlen und ein Meisterschaftsspiel vor leeren Rängen austragen, weil im DFB-Pokalspiel Schalkes Gerald Asamoah mit Affenlauten verhöhnt worden war. Ein Strafmaß, das den neuen Regeln entspricht, die Mindeststrafe vor dem Punktabzug. Alemannia Aachen kam mit einer Geldbuße von 50 000 Euro davon, nachdem Fans vor ein paar Wochen „Asylant“ skandiert hatten, gemeint war Gladbachs Stürmer Kahé. Aus dem Block der Gladbacher wurde Aachens Moses Sichone beschimpft, das kostete den Verein 19 000 Euro.

Beim nächsten Heimspiel präsentierten die Aachener einen » Anti-Rassismus-Spot der Mannschaft, sicher aus ehrlicher Überzeugung. Im Wiederholungsfalle droht den Aachenern allerdings bereits ein Punktabzug. Zumindest bei strenger Auslegung der Regeln, denn nachdem die Fifa ihre neuen Regeln verabschiedet hatte, erwirkten der europäische Verband Uefa und der DFB eine Erweiterung: „Eine Strafe . . . kann gemildert werden oder von einer Bestrafung kann abgesehen werden, wenn der Betroffene nachweist, dass ihn für den betreffenden Vorfall kein oder nur geringes Verschulden trifft.“

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