Wirbel um Ronaldos Schuhe
Brasiliens Nationaltrainer unter Druck

Carlos Alberto Parreira ist der Nationaltrainer Brasiliens und hat einige Sorgen mit seinen Schützlingen. Zweifelsohne gehören einige der besten Fußballer zu seiner Mannschaft, aber dadurch sind die Ansprüche der Fans auch sehr hoch.

HB KÖNIGSTEIN. "Ein bisschen Adrenalin ist ja nicht schlecht, aber ich schlafe schlechter, esse weniger", berichtete der Weltmeister-Coach von 1994 am Dienstag im WM-Quartier der "Selecao". Nur gut, dass die Blasen am Fuß von Stürmerstar Ronaldo ihm keine Sorgen mehr machen. Dafür bereiten dem 63-Jährigen jetzt die WM-Schiedsrichter Kopfzerbrechen.

Denn Parreira misstraut dem von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter geforderten Schutz der Stars durch die Referees. "Diese Sprüche höre ich jedes Mal vor einer WM. Natürlich ist die Idee gut. Aber ich möchte sehen, dass sie in die Praxis umgesetzt wird", erwiderte Parreira, der um sein "magisches Quartett" Ronaldinho, Ronaldo, Kaka und Adriano besorgt ist.

Der Trainer ergänzte: "Wenn die Vorgaben umgesetzt werden, ist das gut für den auf Technik basierenden Fußball, vor allem für uns Brasilianer." Der Brasilianer wünscht sich weniger Spiel-Unterbrechungen, damit "der Ball mindestens 70 Minuten rollt". FIFA-Boss Blatter hatte am Montag die 21 WM-Schiedsrichter aufgefordert, bei übergroßer Härte speziell gegen die Topspieler der Endrunde mit aller Konsequenz durchzugreifen.

Nicht von einem Gegenspieler, sondern von den eigenen Schuhen vorübergehend außer Gefecht gesetzt, gab derweil Starstürmer Ronaldo Entwarnung und nahm mit schon fast verheilten Blasen an den Füßen an der ersten Trainingseinheit der "Selecao" in Königstein teil. "Er hat von uns das Okay bekommen", erklärte Teamarzt Jose Luiz Runco und ergänzte: "Wenn die WM heute los gegangen wäre, würde er auch mitspielen."

Der Stürmer macht Nähte in der Innenseite des Schuhs für die Probleme verantwortlich und teilte dem Hersteller (Nike) schon seine Änderungswünsche für die eigens an seinen Fuß angepassten Fußballstiefel mit. Parreira ließ den 29-Jährigen dennoch nicht am Eckball- und Freistoß-Training des A-Teams teilnehmen, sondern schickte ihn zum lockeren Spielchen mit den Reservisten, "wo er mehr mit dem Ball arbeiten konnte".

Nach 14 Tagen Trubel im Schweizer Weggis herrschte bei den ersten Übungseinheiten im Taunus-Kurort ungewohnte Stille. Nur vom direkt neben dem Sportplatz "Altkönigblick" gelegenen Gymnasium schallten Anfeuerungsrufe der Schüler herüber. Der Medienrummel nahm dagegen zu. Parreira zählte auf der Pressekonferenz laut die Kameras. 35 Film-Objektive waren auf ihn gerichtet.

Dennoch bewertet der Nationaltrainer die Abgeschiedenheit im neuen WM-Quartier positiv. "Die Bedingungen hier sind exzellent. Und das Training ohne Publikum wird uns helfen, die Konzentration ganz auf die WM zu fokussieren", so der Übungsleiter der "Selecao", der auch einen Ausblick auf ein mögliches Finale gegen WM-Gastgeber Deutschland wagte: "Für sie wäre es natürlich eine willkommene Gelegenheit, für die Endspiel-Niederlage 2002 Revanche zu nehmen. Ich hoffe aber, dass sie dann erneut keinen Erfolg haben.

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