WM-Macher: Volker Bartsch, Geschäftsführer der DFB-Kulturstiftung
Er baut die Brücke zwischen Kultur und Sport

In der Horde der wackeren Gallier aus dem "Asterix"-Comic ist er der Anführer Majestix, der seine Truppe im Land "Fifanien" zusammenhält.

HB BERLIN. So sieht es zumindest eine Karikatur, die im Büro der DFB-Kulturstiftung in Berlin hängt. Hier laufen die Fäden für das 30 Millionen Euro schwere offizielle Kunst- und Kulturprogramm zur Fifa Fußballweltmeisterschaft in Deutschland zusammen. Volker Bartsch ist der Geschäftsführer.

Von der Modenschau "Catwalk with Ball", über die Ausstellung "Rundlederwelten", das "Fußballoratorium", die Zeitschrift "Anstoß" bis zur Tournee des Multi-Media-Fußball-Globus: So viel Kultur wie diesmal hat es bei einer Fußball-WM noch nicht gegeben. Die meisten der rund 50 Projekte laufen vor der Eröffnung im Juni. Sie sollen Vorfreude wecken und eine Brücke zwischen Kultur und dem Sport schlagen. "Das ist so spannend, so vielfältig und so komplex", schwärmt Bartsch über seinen Job. Von der "großen Resonanz" auf die Veranstaltungen war die Stiftung "positiv überrascht", erzählt er.

Der 57-Jährige, der sich beim Interview seine Pfeife mit "Trauben- Vanilla"-Tabak stopft, ist ein Mann mit Hang zur Ironie, was gut zum Ansatz des von Andre Heller kuratierten Programms passt. Dieses kommt oft mit einem Augenzwinkern daher und will nicht den Fußballfan zum Intellektuellen bekehren oder umgekehrt, sondern Begeisterung in beide Richtungen wecken, mit Spaß und Nachdenklichkeit zugleich.

Bartsch weiß auch, dass das Riesenereignis WM manchen Deutschen nerven könnte und die Gefahr eines Hypes besteht. "Bei uns kann man sich vom Fußball erholen", sagt er lächelnd. Die gute Laune kann ihm indes vergehen, wenn er beim Kulturprogramm mit den Marketingrichtlinien der Fifa kämpft. Der Weltfußballverband vertritt bekanntermaßen die Interessen der offiziellen WM-Sponsoren nicht gerade zimperlich - daher wird Gastgeber Deutschland auf der "Asterix"-Karikatur zu "Fifanien".

Bartsch ist von Hause aus Politikwissenschaftler, einer der gerne am Schreibtisch sitzt, nachdenkt und schreibt. Studiert hat er in seiner Heimat Hamburg, in seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit dem Philosophen John Stuart Mill ("ein hoch interessanter Mann"). Beruflich kümmerte sich Bartsch in den 80er und 90er Jahren unter anderem intensiv um den Film- und Fernsehnachwuchs in der Hansestadt und veröffentlichte mehrere Bücher, darunter Reiseführer und Bildbände. 2001 zog er nach Berlin, wo er kurzfristig von Filmfestivalchef Dieter Kosslick für den Berlinale "Talente Campus" gewonnen wurde. Seit Anfang 2005 ist die DFB Kulturstiftung sein Fulltime-Job, das Bücherschreiben hat Pause.

Wegen seiner Arbeit kommt momentan auch seine Leidenschaft für die Fußballer-Underdogs von St. Pauli, die zu seiner Freude kürzlich Hertha BSC bezwangen, etwas kurz. Bartsch versteht etwas von Fußball und kann zum Beispiel immerhin eine Vierer-Abwehrkette erklären. Auch am Kickertisch, der in seinem Büro steht, hielt der Kulturchef sich für einen Crack - bis eines Tages Ex-Fußball-Profi Olaf Thon vorbeikam und er "richtig bitter" verlor. Und was haben die Deutschen bei der WM im eigenen Land für Chancen? So schlecht sei das Team nicht, meint Bartsch. Also: Halbfinale.

Service-Link:

 www.dfb-kulturstiftung.com

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