Wolfsburgs Macher hat hohe Ziele
Herr Magath sucht das Glück

In Wolfsburg werkelt Felix Magath an seinem Berufstraum: Eigenständig ein Team aufbauen und es zum Erfolg führen.

KIEW. So dicht an den Macher wie vor gut zwei Wochen in Kiew kommt man sonst nicht. Für gewöhnlich lächelt der 55-Jährige distanziert, er mag die die Fassade an sich. Magath ist Trainer, Sportdirektor, Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg. Heute führt er seine Mannschaft in den Uefa-Cup gegen Rapid Bukarest (19 Uhr/DSF). Es ist mit dem VfL sein erster Auftritt auf internationalem Parkett, Magath, vor einem Jahr ins Wolfsburger Traineramt bestellt, kann scheitern, und es wird heißen: Planen kann er, aber nicht umsetzen.

Er kann seine Elf aber auch in die Gruppenphase führen, die zu überstehen ein Leichtes sein kann. Dann könnte er sagen: Seht her, ich kann planen und umsetzen. Denn das ist der Spalt, der noch immer klafft bei Magath, dem Allesentscheider nach englischem Vorbild. Kein Übungsleiter in Deutschland verfügt über so viel Entscheidungsspielraum. Er hat ihn sich ausbedungen, als er mit dem VfL verhandelte. So tickt er. Seit 34 Jahren schon, so lang ist er im Geschäft.

Magath sagt: "Ich glaube, dass die Öffentlichkeit im Dunkeln tappt, was mich persönlich angeht." Daran ist er freilich nicht ganz unbeteiligt, Magath spielt gern mit Teebeuteln und Vorurteilen. Auch in Kiew gibt er sich kurz rätselhaft - bis er das städtische Krankenhaus Nummer 1 in der Hauptstadt der Ukraine betritt. Es ist die führende Kinderurologie des Landes. Die Verhältnisse sind ärmlich, das medizinische Instrumentarium veraltet. Magath ist gekommen, weil er helfen will. "Ein Herz für Kinder", so steht es auf den Trikots seiner Spieler. Magath hat selbst sechs Kinder aus zwei Ehen.

Magath ist bewegt. So sieht man ihn selten. Die kleine Natalia klammert sich an sein Bein, nachdem sie von der Kinderrutsche geplumpst ist. Viktor trägt ein Fußballtrikot, schnappt sich einen Ball und setzt sich Magath auf den Schoß. Magath sagt: "Diese Kinder haben nicht dieselben Chancen wie meine. Das macht mich nachdenklich. Da will ich was tun."

Als Vorsitzender der Stiftung "Phytokids" lässt er in den ärmsten Krankenhäusern der ehemaligen Sowjetunion " Erlebnis- und Genesungsräume" für die Kinder errichten, er bringt Spielzeug mit und modernstes medizinisches Gerät. Auch das ist Magath. Der andere Felix. Ein Altruist, einer der liebt, verehrt, der gern gibt. Dabei geht das Magath-Klischee eigentlich anders: Despot. Quälix. Schleifer. "Alles Quatsch", sagt Magath. "Wenn das Thema 'hartes Training' wieder mal hochkommt, schaut keiner nach und fragt: Wer hat denn wie viele Verletzte? Schauen Sie mal nach, wir sind es nicht!" Und dann sagt er: "Ich wundere mich immer, wenn die Leute den Profi und den Privatmenschen Magath nicht auseinander halten können."

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