Zehn Prozent wollen Maradona als neuen Trainer sehen
Argentinien trauert nach "verfluchten Elfmetern"

In Argentinien herrscht nach dem Viertelfinal-Aus gegen Deutschland große Betroffenheit. "Jetzt haben wir nichts", versuchte Roberto Ayala seine Trauer nach dem verlorenen Elfmeterkrimi in Worte zu fassen.

Die Tränen von Fußball-Idol Diego Maradona spiegeln die Gefühlslage der argentinischen Nationalspieler wider. Nach dem geplatzen Titeltraum des dreimaligen Weltmeisters herrscht jetzt nur noch Frust, den einige mit Tränen und andere mit (Rück-)Tritten zu bewältigen suchten.

"Weine nicht um mich, Argentinien", forderte die Zeitung Ole, und La Nacion sah nach den "verfluchten Elfmetern" Spieler mit "gebrochenen Herzen". Nach Roberto Ayalas Führungstor (49.) fühlte sich die Seleccion schon wie der sichere Sieger. Doch der Treffer von Miroslav Klose (80.) und die beiden Fehlschüsse von Ayala und Esteban Cambiasso zerstörten die Hoffnungen auf den Coup und die Revanche für das verlorene Finale von 1990.

"Jetzt haben wir nichts"

"Wir sind mit dem Traum gekommen, Weltmeister zu werden. Jetzt haben wir nichts. Das ist ein großer Schmerz, den wir nie verdauen werden", schluchzte Ayala nach dem 2:4 im finalen Shootout und der ersten WM-Pleite in einem Elfmeterschießen. Leandro Cufre versuchte, den Frust per Karatekick gegen Per Mertesackers Oberschenkel abzubauen, sah Rot und erwartet nun ein Verfahren der Fifa. Auch Maxi Rodriguez droht nach seiner Kungfu-Einlage Ungemach.

"Das war"s. Ein Zyklus ist zu Ende, ich werde sicher nicht weitermachen", sagte Trainer Jose Pekerman wenige Minuten nach der Rangelei - und Ole schrieb vom "zweiten Schock des Abends". Pekerman hatte über zwölf Jahre an seinem Projekt 2006 gearbeitet, zunächst in der Nachwuchsabteilung des Verbandes und seit September 2004 auf dem Chefposten. Auch für ihn war das plötzliche Aus ein schwerer Schlag, wie er - ebenfalls den Tränen nahe - bekannte.

Leser sprechen sich für Bianchi aus

"Er hat dem argentinischen Fußball sehr viel gegeben", sagte Kapitän Juan Pablo Sorin, "vielleicht bleibt er doch." Die Medien, die einige von Pekermans Personalentscheidungen hart kritisierten, führen derweil schon die Nachfolge-Diskussion. In einer Umfrage auf der Internet-Seite der Zeitung Clarin sprachen sich über die Hälfte der Leser für Carlos Bianchi aus. Der stand bis Januar noch bei Atletico Madrid unter Vertrag, gilt aber als Gegner von Verbandschef Julio Grondona.

Etwas mehr als zehn Prozent wollen Maradona als neuen Trainer sehen. "Dieguito" hat schon häufiger den Wunsch geäußert, den Job zu übernehmen. Ob er zu seinem Wort steht, ist noch nicht klar, zog sich Maradona doch in der Stunde der Niederlage alleine auf sein Zimmer zurück. Zuvor war einem Mitglied seines Clans der Zutritt zum Olympiastadion verwehrt worden. Neben Maradona sind Miguel Russo von Velez Sarsfield und Jorge Burruchaga von Independiente Buenos Aires im Gespräch.

Pekerman hinterlässt Mannschaft mit Potenzial

Glaubt man Pekerman und den Eindrücken der Partie vom Freitag, übernimmt der neue Coach eine Mannschaft mit Potenzial. "Argentinien darf für die Zukunft optimistisch sein", meinte Pekerman: "Wir haben ein Team, das mit den besten Fußball weltweit spielt und die Qualität hat, Großes zu erreichen." Ayala sprach von "guten jungen Spielern mit Zukunft", die bald schon zum Zuge kämen - zumal manch erfahrener Akteur wie Ayala selbst schon laut über seinen Abschied nachgedacht hat.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%