Audi-Motorsportchef Ullrich
„Vettels WM-Titel nutzt dem ganzen Motorsport“

Die DTM steht klar im Schatten der Formel 1, der neue Top-Star Sebastian Vettel zementiert dies noch. Wolfgang Ullrich erklärt im Interview, warum Audi dennoch nicht in die Formel 1 strebt und was für die DTM spricht.
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Handelsblatt: Mit Sebastian Vettel gibt es nach Michael Schumacher wieder einen deutschen Formel-1-Helden. Lockt er Ihnen die DTM-Interessenten im Kernmarkt Deutschland weg?

Wolfgang Ullrich: Für das Interesse am Motorsport ist es gut, wenn deutsche Fahrer in der Formel 1 vorne dabei sind. Natürlich: Fans in Deutschland fiebern da mit. Ich denke aber nicht, dass dies alle Aufmerksamkeit von anderen Serien weglenkt.

Warum startet Audi nicht selbst in der Formel 1?

Bei Audi war es immer sehr wichtig, dass die Art Motorsport, die wir ausüben, eine hohe Relevanz für Serienfahrzeuge hat - wie beim Quattro-Antrieb oder beispielsweise der Benzin- und Dieseldirekteinspritzung TFSI und TDI, die im Rennsport erprobt wurden. In der Formel 1 dagegen sehen wir diese Relevanz für den Kunden nicht.

Die TV-Reichweite der DTM ist stetig gesunken. Müssten nicht die Fahrer stärker im Mittelpunkt stehen, um mehr Fans zu begeistern?

Es ist eine Fahrermeisterschaft, sie sind die zentralen Persönlichkeiten. Aber auch die Zuordnung der Fahrer zu den Autos muss klar sein. Sie müssen sich identifizieren und die Marke nach außen repräsentieren.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Wiedereinstieg von BMW in die DTM zur kommenden Saison?

Die Kombination der drei Premiummarken BMW, Mercedes und Audi wird auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit erzielen. Das wird der DTM zusätzlich guttun.

Welche Argumente sprechen abseits des Renngeschehens für einen Besuch bei der DTM?

Hauptidee ist: Wir wollen zusätzlich zum Motorsport noch etwas bieten. Mit den Konzerten, die es bei uns auch gibt, werden wir aber nicht den reinen Rockmusikfan, der mit Motorsport nichts am Hut hat, dazu bewegen, zum Rennen zu kommen. Wir wollen spannenden Sport und Abwechslung für die gesamte Familie bieten.

Welche Rolle spielt das Rennwochenende Mitte Juli im Münchener Olympiapark?

Wir haben den Motorsport mitten in die Stadt gebracht, kombiniert mit der speziellen Atmosphäre des Olympiaparks. Es kamen Leute, die sonst nie zu einer Motorsport-Veranstaltung gegangen wären. Viele waren beeindruckt, wir haben sicher einige für uns begeistert.

Es kursiert das Gerücht, die DTM erwäge eine ganze Stadionserie. Was ist dran?

Diese Planung kenne ich noch nicht.

Wäre es denn grundsätzlich sinnvoll?

Die DTM soll eine Topserie bleiben - dazu gehört, dass man auf guten und sicheren Strecken unterwegs ist. München ist ein Zusatzevent - ich kann mir nicht vorstellen, dass man von Stadion zu Stadion zieht.

Thomas Mersch
Thomas Mersch
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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