Aussage gegen Ecclestone
Der Banker im Büßerhemd

Im Prozess gegen Bernie Ecclestone präsentiert sich der Belastungszeuge Gerhard Gribkowsky als reuiger Büßer. Der Verkauf der Formel-1-Anteile sei nicht zu toppen gewesen, sagt der Ex-BayernLB-Vorstand vor Gericht aus.
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MünchenBis zur Gretchenfrage dauert es drei Stunden. Peter Noll, Vorsitzender Richter im Münchner Prozess gegen Formel1-Chef Bernhard Ecclestone, will vom Zeugen wissen, ob er die Formel 1-Anteile im Herbst 2005 zu billig verkauft hat, weil er zuvor von Ecclestone bestochen worden ist.

Der Zeuge heißt Gerhard Gribkowsky, 56 Jahre, bis 2008 Risikovorstand der BayernLB, 2012 wegen Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung rechtkräftig verurteilt, derzeit wohnhaft im Freigängerhaus der Justizvollzuganstalt München.

Für die ehemaligen Eigentümer der Formel 1, also die BayernLB und die insolvent gegangene Kirch-Gruppe (heute Constantin Medien), ist diese Frage von entscheidender Bedeutung. Die Bank bereitet dazu gerade eine Schadenersatzklage über 400 Millionen Euro vor. Doch Gribkowsky, der sich in Vernehmungen der Staatsanwaltschaft München I 2012 sehr wohl zu der Kaufpreisfrage geäußert haben soll, findet heute Ausflüchte.

Es sei ja der letzte Zeitpunkt gewesen, um einen Verkauf auf die Reihe zu kriegen, sagt der Banker. Die Gefahr einer Totalabschreibung der 46-Prozent-Beteiligung an der Formel1 habe gedroht. Sie habe nur noch mit 400 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Insofern sei eine Bewertung von 2,1 Milliarden Dollar für 100 Prozent an der Formel 1 durch den Erwerber CVC attraktiv gewesen: „In der Höhe und im Timing kann man sagen – besser ging's nicht“.

Richter Noll hatte seine Frage an Gribkowsky zuvor gewohnt geschliffen formuliert: „Hatte die Besprechung mit Herrn Ecclestone im Mai in seinem Büro in London irgendeinen Einfluss auf diese Entscheidung? Das: ,I will take care of you'?“

Denn mit diesen Worten hatte Ecclestone nach Darstellung Gribkowskys den Banker umgarnt. Der alte Mann hatte die Kriegsfahne eingerollt und Gribkowsky eingeladen, den Verkauf der Formel 1-Anteile künftig gemeinsam zu organisieren, und ihm für die Zeit danach sogar einen Job angeboten.

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