Fall Schumacher
Künstliches Koma entlastet das Hirn, ist aber auch riskant

Michael Schumacher wird langsam aus dem künstlichen Koma geholt. Welche Schäden sein Organismus davonträgt, ist noch nicht absehbar. Laut Experten ist eine Koma-Phase von dieser Dauer jedoch oft äußerst problematisch.
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BerlinMedizinische Prognosen können bei einem Schädel-Hirn-Trauma und anschließendem künstlichen Koma sehr unterschiedlich ausfallen. „Ärzte setzen einen Patienten nur dann drei oder vier Wochen in künstliches Koma, wenn die Situation des Gehirns sehr ernst ist“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI), Andreas Ferbert, jedoch.

Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher war nach seinem Ski-Unfall am 29. Dezember in ein künstliches Koma versetzt worden.

Damit könne ein erhöhter Hirndruck gesenkt werden und ebenso der Stoffwechselbedarf des Gehirns, erläuterte Ferbert. Ein erhöhter Hirndruck kann zu Schäden in dem Organ führen. „Wie bei jeder ärztlichen Maßnahme muss aber der Benefit gegen die Risiken abgewogen werden.“

Das künstliche Koma könne andere Organe schädigen, darunter die Lunge, sagte Ferbert. Je mehr Zeit verstreiche, desto eher träten die nützlichen Aspekte in den Hinter- und die Risiken in den Vordergrund. Ein tiefes künstliches Koma über vier Wochen hinweg sei daher eher unüblich. „Vier Wochen ist da schon sehr lange.“

Nachdem Schumachers Managerin Sabine Kehm am Mittwoch einen Bericht der Sportzeitung „L'Equipe“, wonach Schumacher langsam aus dem künstlichen Koma geholt werden solle, noch als Spekulation zurückgewiesen hatte, ist mittlerweile klar, dass Schumacher nun tatsächlich in die Aufwachphase versetzt werden soll.

Ferbert erläuterte, die Prognose für die Hirnleistung verschlechtere sich, je länger ein künstliches Koma aufrechterhalten werden müsse: „Das Problem ist, dass es keine genaue Definition des künstlichen Komas gibt. Im weiteren Sinne könnte dies auch heißen, dass das Koma teilweise medikamentös bedingt ist und teilweise durch die Krankheit selbst.“

Nach DGNI-Angaben erleiden pro Jahr rund 270.000 Menschen in Deutschland ein Schädel-Hirn-Trauma, davon sind zehn Prozent mittelschwere und schwere Fälle. Mehr als die Hälfte aller Fälle gehen demnach auf Stürze zurück, vor allem von alten Menschen, nur etwa 25 Prozent auf einen Autounfall.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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