Formel 1
Sponsoren fahren auf Minicams ab

Motorsportfans lieben die Perspektive der Fahrer - dank der Onboard-Kameras haben Millionen das Gefühl, direkt mit im Auto zu sitzen. Auch die Sponsoren schätzen die High-Tech-Apparate: Die Aufnahmen der winzigen Kameras verhelfen den Geldgebern der Formel 1 zu mehr Präsenz im Fernsehen.

KÖLN. Wenn die Formel-1-Piloten am Wochenende im türkischen Istanbul Gas geben, haben Millionen Fernsehzuschauer das Gefühl, mit ihnen im Auto zu sitzen. Onboard-Kameras, montiert an verschiedenen Stellen der Rennwagen, filmen den Kampf um WM-Punkte aus der Perspektive der Fahrer. Motorsportfans beschert das intensivere TV-Erlebnisse als die Einstellungen aus der Totalen. Die Teams wiederum nutzen die Bilder für taktische Entscheidungen und technische Analysen.

Auch für Sponsoren, die ihre Logos und Schriftzüge auf die Rennwagen kleben, sind die nur wenige Hundert Gramm schweren High-Tech-Apparate nicht mehr wegzudenken. 40 Prozent aller TV-Bilder, bei denen ein Fahrzeugsponsor zu sehen ist, stammen von einer solchen Kamera. Das zeigt eine Studie des Unternehmens IFM Medienanalysen über die vergangene Saison, die dem Handelsblatt vorliegt.

"Die Sponsoren wollen wissen, wie oft sie für den Zuschauer im Bild sind", sagt Alex Grömminger, Kommunikationsleiter des Karlsruher Sport-Research-Beraters. Gerade in der Wirtschaftskrise, die schon einige Sponsoren zum Ausstieg aus der Formel 1 veranlasst hat, stellen die Geldgeber ihr Engagement auf den Prüfstand. "Die Analyse zeigt: Wer sein Logo im Blickfeld der Onboard-Kameras platziert, hat gute Chancen gesehen zu werden", sagt Grömminger.

Als attraktivste Werbefläche entpuppte sich die sogenannte "Monocoque Top Position", die sich vor dem Cockpit des Fahrers befindet. In 90 Prozent der Fälle rückten Onboard-Kameras die dort platzierten Sponsorenlogos ins Blickfeld.

Mit der Monocoque-Position konnte besonders der britische Mobilfunk-Riese Vodafone als Hauptsponsor des Rennstalls McLaren-Mercedes punkten. Die Werbefläche des Telekommunikations-Unternehmens war in der vergangenen Saison am besten zu sehen.

Neben der authentischen Perspektive sehen Experten auch einen qualitativen Grund, warum Sponsoren die Onboard-Kameras schätzen. "Die Markenkennzeichen sind besser und länger im Bild, als wenn TV-Kameras von außen die vorbeirasenden Autos filmen", sagt Jason Campbell, Marketing-Manager des ING-Renault-Teams.

Welche Summen Sponsoren dafür zahlen, damit sie ihr Logo auf den Rennwagen anbringen dürfen, lässt sich nur schwer beziffern. Die Rennställe verkaufen die Werberechte meistens als Gesamtpaket. Campbell zufolge nehmen die Teams bis zu 160 Mio. Euro pro Saison durch Sponsoring-Verträge ein.

Einen Nachteil hat die Perspektive der Onboard-Kameras allerdings: Firmenlogos erscheinen meistens auf dem Kopf oder seitwärts auf den Autos und sind so schlecht zu lesen. Jedoch sei das "ein Manko, das Sponsoren in Kauf nehmen", sagt Guido Stalmann, Sponsoring-Chefbei BMW. Die Onboard-Einstellungen hätten, gemessen an der gesamten Fernseh-Übertragung, in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

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