Motorsport
Istanbul fiebert Formel-1-Premiere entgegen

Nicht nur die türkischen Formel-1-Fans fiebern der Premiere in Istanbul entgegen. "Dieses Rennen wird einen großen Beitrag für das Land und seine Wirtschaft leisten", sagte Staatsoberhaupt Tayyip Erdogan.

In diesen Tagen gibt es in Istanbul nur ein Gesprächsthema. Die ganze Stadt fiebert der türkischen Formel-1-Premiere entgegen. Der erste Auftritt von Michael Schumacher und Co. im Istanbul Park (14.00 Uhr Mesz/live bei Premiere und RTL) ist die neueste Attraktion in der Jahrhunderte alten Metropole im Schmelztiegel der Kulturen.

Die Vollgas-Show von Bernie Ecclestone soll die Türkei weltweit noch etwas bekannter machen und mittelfristig mehr Touristen in das boomende Land am Bosporus locken. "Dieses Rennen wird einen großen Beitrag für dieses Land und seine Wirtschaft leisten. Den Wert der Publicity kann man gar nicht in Zahlen fassen", sagt der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan.

"Schumi" freut sich auf Türkei-Premiere

Der siebenmalige Weltmeister Michael Schumacher und seine Kollegen sollen zu Zugpferden für die Türkei werden - und der Ferrari-Star freut sich bereits auf die Eroberung neuer Welten. "Ich war schon einmal vor einigen Jahren während eines Sponsorentermins in Istanbul, und ich kann mich noch an die Begeisterung erinnern", sagt der Kerpener: "Ich hatte den Eindruck, die Menschen lieben den Motorsport und denke daher, die Leute freuen sich genauso auf uns wie wir uns auf sie."

Dass die Piloten ihren Spaß an der neuen Rennstrecke haben, dafür hat in bewährter Manier der deutsche Architekt Hermann Tilke gesorgt. Für insgesamt 150 Mill. Dollar (rund 120 Mill. Euro) inklusive Parkplätzen und Zufahrtsstraßen hat der Aachener, der bereits die Strecken in Malaysia, Bahrain und China sowie den neuen Hockenheimring entworfen hat, rund 50 Kilometer südöstlich des Stadtzentrums eine 5,340 Kilometer lange Berg- und Talbahn entstehen lassen, die den Fahrern einiges abverlangen wird, nicht nur, weil sie für die Fahrer ungewohnt wie sonst nur noch Imola und Sao Paulo gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. Steigungen, nicht einsehbare Kurven, Bremspunkte auf abschüssiger Straße - Tilke hat tief in seine Trickkiste gegriffen.

Türkei hofft auf Tourismus-Boom

Finanziert hat den Streckenbau, bei dem rund drei Mill. Kubikmeter Erde und Felsen bewegt und sogar ein Fluss unter der Strecke durchgeführt wurde, die türkische Handelskammer, die auf einen weiteren Schub für die Besucherzahlen setzt. 2004 begrüßte die Türkei 17,5 Mill. Touristen, in diesem Jahr sollen es schon mehr als 20 Mill. werden.

Zwischen 80 und 100 Mill. Euro Umsatz soll allein das Rennwochenende bringen. Und vielleicht nehmen sich ja auch noch ein paar Formel-1-Piloten ein Beispiel am Schotten David Coulthard. Der war bei einer PR-Veranstaltung mit seinem Red-Bull-Boliden auf der abgesperrten Bosporus-Brücke von der Video-Anlage gefilmt worden - mit Türkei-Werbung am Auto, aber ohne Maut-Vignette. Die 22 Euro Strafe zahlte er als Ehrenmann ohne Murren.

Schiffe sollen Verkehrschaos verhindern

Damit die werbewirksame Premiere nicht zu sehr gestört wird, versuchen die Behörden vor allem, das befürchtete Verkehrschaos zu verhindern. Weil die Zuschauer aus dem europäischen Teil der einzigen auf zwei Kontinenten liegenden Stadt der Welt über nur zwei Bosporus-Brücken zur Rennstrecke im asiatischen Teil fahren müssen, hat man sich einen besonderen Zubringer-Service einfallen lassen. Die Fans sollen mit Schiffen über das Marmara-Meer zum Kurs gebracht werden.

Sehr ernst nehmen die Türken das Thema Sicherheit, nicht zuletzt wegen der letzten Bombenanschläge im Juli und August in türkischen Urlauber-Hochburgen. Mehrere tausend Polizisten und 1 000 Soldaten sollen den Formel-1-Tross schützen. Zwei Drittel aller Krankenwagen der Stadt werden am Wochenende in der Nähe der Rennstrecke zusammengezogen, zusätzliche Feuerwehrwagen kommen aus anderen Städten. Notärzte und Rettungssanitäter haben Urlaubssperre.

Schleppender Vorverkauf

Bleibt nur die Frage, ob die rund 130 000 Zuschauerplätze an der Strecke am Sonntag auch richtig gefüllt sein werden. Der Vorverkauf lief schleppend, vor allem wegen der für türkische Verhältnisse hohen Preise zwischen 150 und 350 Euro.

Damit zumindest der Lärm keinen der Zuschauer vor weiteren Besuchen, zum Beispiel bei der Tourenwagen-WM (18. September), der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (2. Oktober) oder der Motorrad-WM (30. Oktober), abhält, lässt Istanbuls Bürgermeister Kadir Tophas vorbeugen: auf seinen Wunsch werden 70 000 Ohrstöpsel verteilt.

© SID

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