Motorsport Formel1
BMW lüftet Geheimnis um neuen Boliden

Am Dienstag war es soweit: Der Münchner Automobilhersteller BMW hat in Valencia sein erstes eigenes Formel-1-Auto für die Saison 2006 präsentiert. "Das ist für mich ein ganz besonderer Tag", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, der gemeinsam mit den Piloten Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve vor rund 600 Gästen im futuristischen Ciudad de las Artes y las Ciencas in der spanischen Hafenstadt den neuen Renner vorstellte: "Aber weniger die Präsentation, als vielmehr das erste Brüllen auf der Rennstrecke."

Heidfeld unternimmt Jungfernfahrt

Die Jungfernfahrt blieb "Quick Nick" vorbehalten, der um 13.20 Uhr die Installationsrunde drehte, aber auch Ex-Weltmeister Villeneuve fieberte schon am Morgen den ersten Lebenszeichen des Autos entgegen. "Das ist wie bei einem Baby. Jeder will wissen, ob es zuerst lacht oder schreit", sagte der Kanadier. Als Testfahrer wird der Pole Robert Kubica für BMW-Sauber im Einsatz sein. Die neue Formel-1-Saison, die wie 2005 insgesamt 19 Rennen umfasst, beginnt am 12. März in Bahrain.

"Ich war nervöser als vor allen anderen Roll-outs, die ich mitgemacht habe, denn dieses ist für mich ein größeres und langfristigeres Projekt. Von daher bin ich mit mehr Herzblut dabei. Die ersten Runden liefen völlig problemlos", sagte Heidfeld, der schon recht flott unterwegs war.

Villeneuve sorgt für Verwirrung

Für Verwirrung hatte unfreiwillig Heidfelds Teamkollege Villeneuve gesorgt. Der Kanadier fuhr wenige Minuten nach Heidfelds Installationsrunde mit dem Übergangsauto C24b auf die Strecke, die er dann aber nur im Schneckentempo umrundete. Als er zurück in die Box kam, stieg Rauch aus dem Heck auf. Der Grund dafür war ein Getriebeproblem. Villeneuve konnte nur im ersten Gang fahren, dadurch waren Karosserieteile überhitzt worden. Nach einer kurzen Pause nahm aber auch Villeneuve das Testprogramm wieder auf.

Die Präsentation des neuen Autos bedeutete den bisherigen Höhepunkt im Verschmelzungsprozess von BMW und Sauber. Die Münchner hatten am 22. Juni 2005 ihre Trennung von Williams zum Saisonende und die Übernahme des Schweizer Sauber-Rennstalls verkündet. Seit dieser Zeit ist Theissen damit beschäftigt, ein gemeinsames Team zu formen und die Belegschaft in der Fabrik in Hinwil von einst 280 auf langfristig mehr als 400 Leute aufzustocken. "Die letzten sieben Monate waren sehr anstrengend, aber das war mir von vornherein klar", sagte er. Wichtig sei ein gemeinsames Denken: "Wir arbeiten an zwei Orten, sind aber ein Team." Der frühere Besitzer Peter Sauber, der im Hintergrund noch als Berater zur Verfügung steht, ist stolz auf die Weiterentwicklung seines Lebenswerkes. "Mein Name steht noch da, aber ich muss nichts mehr dafür tun", scherzte der Teamgründer, der am Wochenende zum "Schweizer des Jahres" gewählt wurde.

"Wir werden unsere Duftmarke setzen"

Die Ziele seiner Mannschaft, die bis Donnerstag auf der exklusiv angemieteten Strecke in Valencia testen wird, definierte Theissen vorsichtig. "Wir sind ein neues Team und kommen von Platz acht, den Sauber 2005 erreicht hatte. Unser Ziel ist, so schnell wie möglich nach vorne zu kommen. Aber das braucht Zeit und geht nicht über Nacht", sagte Theissen, der sich neben der Entwicklung des Autos auch immer noch um den weiteren personellen Aufbau des Teams kümmern muss: "Ich verspreche keine Podiumsplätze oder Siege. Aber wir werden unsere Duftmarke setzen."

Auch Heidfeld weiß, dass die erste Saison der neuen Mannschaft ein Lehrjahr wird. "Wir würden schon einiges Glück brauchen, um ein Rennen zu gewinnen", meinte der Mönchengladbacher, der gemeinsam mit BMW von Williams ins neue Team wechselte und einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. Innerhalb dieser Zeit hofft "Quick Nick" aber schon auf Erfolge. "In diesen drei Jahren sollten wir Rennen gewinnen können. Und wenn das möglich ist, kann man auch um den WM-Titel kämpfen. Das ist mein Ziel", sagte der 28-Jährige.

Die Präsentation selbst verlief ohne großes Brimborium. Keine Lasershow oder Effekthascherei, kein Tuch, das im Blitzlichtgewitter vom Auto gezogen wurde. Um vier Minuten nach neun wurde das Licht eingeschaltet, und der F1.06 mit seiner auffällig flachen Frontpartie stand auf der Bühne. Das Fahrzeug ist überwiegend in weiß-blau mit einigen roten Streifen gehalten - den traditionellen Farben der BMW-Motorsportabteilung.

© SID

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