Motorsport Formel1
Ferrari sieht sich mit neuem Protest konfrontiert

Nur eine Woche nach der Heckflügel-Affäre von Bahrain sieht sich Ferrari mit einem neuen Protest konfrontiert. Jetzt soll sich der Rennstall mit einem nicht regelkonformen Frontflügel einen Vorteil verschafft haben.

Beim Ferrari-Rennstall kehrt keine Ruhe ein: Als Michael Schumacher mit Ehefrau Corinna in die "Flitterwochen" aufgebrochen war, ging der Ärger für Ferrari erst richtig los. Nach der Heckflügel-Affäre von Bahrain drohten nach dem Rennen in Malaysia gleich acht Teams mit Protest. Diesmal wird den Italienern vorgeworfen, sich mit einem illegalen Frontflügel einen Vorteil verschafft zu haben. Ferrari soll dem Automobil-Weltverband FIA versprochen haben, bis zum nächsten Grand Prix am 3. April in Australien einen neuen Flügel zu montieren.

Zunächst noch Verzicht auf Protest

Da Schumacher in Kuala Lumpur hinter seinem Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien) nur Platz sechs belegte, verzichteten die Rivalen zunächst auf ein Nachspiel. Der siebenmalige Weltmeister war auch so gestraft genug. "Mehr war für uns nicht drin. Renault ist das Maß der Dinge, daran hat sich nichts geändert", stellte der 37-Jährige fest: "Solche Rennen gibt es. Ich hoffe, dass es in Melbourne besser funktioniert."

Daran glaubt Renault-Teamchef Flavio Briatore jedoch nicht. Der Schumacher-Freund aus gemeinsamen Benetton-Tagen verhöhnt den Gegner sogar. "Wir haben die besten Fahrer, das beste Auto, den stärksten Motor, die besten Ingenieure. Ich weiß nicht, wie man uns schlagen soll", sagte der 57-Jährige nach dem zweiten Renault-Doppelsieg der Formel-1-Geschichte durch den Italiener Giancarlo Fisichella und Weltmeister Fernando Alonso.

Alosno will "jedes Rennen gewinnen"

Der Spanier, der die WM-Wertung mit 18 Punkten vor Schumacher und dem Briten Jenson Button (Honda/beide jeweils elf Zähler) anführt, dämpft die Ferrari-Hoffnungen auf eine baldige Wende und tönt: "Ab jetzt will ich jedes Rennen gewinnen." Letztmals waren beim Großen Preis von Frankreich am 25. Juli 1982 in Le Castellet zwei Renault vorn: Damals siegte Rene Arnoux (Frankreich) vor seinem Landsmann Alain Prost.

Während Renault auch nach außen Stärke demonstriert, versucht Schumacher, die Pleite auf einer malayischen Insel zu vergessen, dabei wird er von Gattin Corinna getröstet. Schumacher: "Das ist unser jährlicher Honeymoon-Urlaub." Er habe sich natürlich im Rennen mehr ausgerechnet, dennoch sei er nicht unzufrieden: "Wir müssen noch härter arbeiten, dann werden wir die Lücke zu Renault schließen."

Das könnte für Schumacher in Melbourne allerdings schwieriger werden als erwartet. Sollte Ferrari die umstrittenen Flügel wirklich abmontieren, wäre dies laut Expertenmeinungen ein klarer Nachteil für Schumacher. Bestätigt wurde diese These durch die überragenden Ferrari-Höchstgeschwindigkeiten an den schnellsten Messpunkten der Rennstrecke in Malaysia. Ferrari-Teamchef Jean Todt sieht keinen Grund zur Beunruhigung: "Die FIA ist der Meinung, dass unser Auto legal ist. Wenn sie wollen, dass wir handeln, werden wir das tun."

Ans Licht gebracht wurde die neuerliche Flügel-Affäre durch den Pay-TV-Sender Premiere. TV-Bilder einer Onboard-Kamera bewiesen: Das obere Blatt des Frontflügels ist flexibel. Folge: Der Luftwiderstand sinkt auf der Geraden, die Topspeed-Werte steigen.

Fry: "FIA wird die Situation klären"

Zunächst wurde das für einen Montagefehler gehalten. Doch inzwischen sind die Gegner sicher, dass dies ein Regelverstoß ist. "Die FIA wird die Situation klären, bevor wir nach Melbourne fliegen", sagt Honda-Teamchef Nick Fry: "Genau das wollen wir."

Dabei wisse man seit sechs Monaten von dem Ferrari-Frontflügel, aber es sei nicht einfach für die FIA, sowas zu messen, meint Fry: "Unser Glück war, dass uns das deutsche Fernsehen nun erstmals einen stichhaltigen Beweis geliefert hat."

Der Brite bezog sich damit auf eine Detailaufnahme, die bei Premiere zu sehen war und anschließend von allen Teams genau analysiert wurde. Fry sieht die FIA deshalb unter Zugzwang: "Jeder kann sich die Fernsehbilder anschauen und daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. Dafür muss man kein Ingenieur sein."

© SID

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