Motorsport Formel1
Theissen: „Haben einen großen Schritt gemacht“

Den ersten Sieg geschafft, als dritte Kraft etabliert und bis zum vorletzten Rennen sogar heimlich vom Titel geträumt: Im Eiltempo ist das neue BMW-Sauber-Team in der ersten Formel-1-Liga angekommen. "Das Fazit fällt sehr, sehr positiv aus. Was wir 2008 erreicht haben, darf alle im Team stolz machen", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen im Interview.

Frage: Robert Kubica hat bis zum vorletzten Rennen sogar noch WM-Chancen gehabt. Haben Sie ernsthaft vom Titel geträumt?

Mario Theissen: In der Formel 1 ist kein Platz für Träumer. Fakt ist, dass wir bis zum vorletzten Rennen in beiden Wertungen noch Außenseiterchancen auf den WM-Titel hatten. Das war mehr, als wir im erst dritten Jahr des BMW-Sauber-Teams erwarten konnten. Wir hatten von den drei Top-Teams sicherlich nicht das schnellste Auto. Doch andere Qualitäten wie eine perfekte Zuverlässigkeit, eine geringe Fehlerquote der Fahrer, exzellente Boxenstopps und eine meist sehr gute Rennstrategie haben uns in diese Position gebracht. Wenn sich Chancen ergeben haben, waren wir zur Stelle.

Nick Heidfeld stand in Kubicas Schatten. Wie bewerten Sie die Leistungen Ihrer Fahrer, die auch 2009 ein Team bilden?

Robert hat nach dem für ihn schweren Jahr 2007 eine exzellente Saison hinter sich, er hat das Optimum herausgeholt und uns den historischen ersten Sieg beschert. Nick hat rechtzeitig vor dem Saisonende zu seiner Normalform zurückgefunden. Generell haben beide ihren eigenen Stil. Das Auffälligste an Robert ist seine Fokussiertheit. Er ordnet dem Rennsport alles unter. Er ist sehr ehrgeizig und talentiert. Nick hat eine gute Rennübersicht, Aggressivität beim Überholen und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen das Auto ins Ziel zu bringen. Ich bin überzeugt, dass wir mit beiden Fahrern 2009 unsere Freude haben werden.

Wie fällt Ihre Bilanz 2008 aus?

Das Saisonfazit fällt sehr, sehr positiv aus. Was wir 2008 erreicht haben, darf alle im Team stolz machen. Wir wollten aus dem Zweikampf an der Spitze einen Dreikampf machen. Das ist uns gelungen. Wir haben uns von Beginn an als Top-Team etabliert. Außerdem wollten wir 2008 unser erstes Rennen gewinnen. Auch das haben wir geschafft. Dass es in Montreal gleich ein Doppelsieg werden würde, war natürlich die Krönung. Insgesamt haben wir elf Podestplätze erreicht, im Vorjahr waren es zwei. Allein das dokumentiert den großen Schritt, den wir gemacht haben. Wir waren 2008 außerdem siebenmal Zweiter, Nick hat in Malaysia erstmals die schnellste Rennrunde absolviert, Robert hat uns in Bahrain die erste Pole Position beschert. Zudem haben wir nun 34 Rennen in Folge gepunktet - das ist keinem anderen Team gelungen. Zuletzt waren wir beim Saisonfinale 2006 in Brasilien leer ausgegangen. Das alles kommt nicht von ungefähr. Deshalb gebührt allen Mitarbeitern in München und Hinwil ein großes Dankeschön für die geleistete Arbeit.

Was fehlt noch zu den Top-Teams Ferrari und Mclaren-Mercedes?

Beide haben extrem viel Erfahrung und bewegen sich seit Jahren auf höchstem Niveau. Da wollen wir hin, und zwar mit unserem hoch motivierten und effizienten Team. Im Vergleich zu Ferrari und Mclaren ist unser Auto noch nicht schnell genug. Auch haben wir in der zweiten Saisonhälfte nicht die Fortschritte gemacht, die wir uns erhofft hatten. Einige Entwicklungsprojekte haben auf der Strecke nicht den erwarteten Gewinn an Rundenzeit gebracht. Aber ich bin überzeugt, dass wir daraus die richtigen Schlüsse für 2009 ziehen."

Muss nach dem ersten Sieg nicht der WM-Titel das Ziel sein?

Man kann im Spitzensport Leistungsfähigkeit planen, nicht aber Resultate. Wir wollen 2009 um den WM-Titel mitkämpfen, das ist unser Ziel. Bei allen Unwägbarkeiten des neuen Reglements ist das erneut sehr ambitioniert. Wir haben in den drei Jahren des Bestehens von BMW-Sauber unsere Ziele immer erreicht und sind zuversichtlich, dass uns dies auch 2009 gelingen wird.

FIA-Präsident Max Mosley will den Einheitsmotor. Als erster Hersteller hat Toyota mit dem Ausstieg gedroht, danach Ferrari. Wo sehen Sie Ansätze zum Sparen?

Wir sehen nicht nur Ansätze zum Sparen, wir sind bereits eifrig dabei. Die in der Fota zusammengeschlossenen Teams sind auch jetzt mit Hochdruck dabei, einen Reglementvorschlag zu erarbeiten, der die Kosten für Entwicklung, Bau und Einsatz eines Formel-1-Fahrzeugs nochmals drastisch absenkt. Ein Einheitsmotor entspricht allerdings nicht den Vorstellungen der Teams und ist deshalb auch nicht dabei.

Eine Finanzkrise erschüttert die ganze Welt. Muss BMW in der Formel 1 jetzt kleinere Brötchen backen?

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen weltweit für Unruhe. Es handelt sich um eine übergreifende Entwicklung, die alle Geschäftsbereiche betrifft und vor der Formel 1 nicht halt macht. Wir haben bei BMW in der Formel 1 die Kostensenkung seit Jahren verfolgt, entsprechend effizient gehandelt und den Aufwand gesenkt. Es war nie unser Ziel, das größte Team zu sein, sondern das effektivste. Gegenüber der Zeit als Motorenlieferant bei Williams zahlen wir für die Formel 1 inzwischen 30 Prozent weniger - und das mit einem eigenen Team. Mit dem beschriebenen Reglementvorschlag werden die Kosten weiter sinken. Gleichzeitig arbeiten wir daran, Spannung und Unterhaltungswert zu steigern. Natürlich sind nicht alle Maßnahmen über Nacht umsetzbar. Klar erkennbar ist aber mittlerweile ein Weg, der mittelfristig ein Formel-1-Projekt für Hersteller und unabhängige Teams gleichermaßen attraktiv macht.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%