Motorsport Formel1
Unverhofftes Debüt überrascht selbst Vettel

Am Sonntag wird Sebastian Vettel als 44. Deutscher ein Formel-1-Rennen bestreiten. Von seinem Debüt erfahren hat der 19-Jährige am Handy. "Man hat damit geliebäugelt, aber nicht gedacht, dass es passiert", so Vettel.

Als Sebastian Vettel per Handy von Chef Mario Theissen über sein Formel-1-Debüt informiert wurde, war er "schon überrascht". Eigentlich hatte der 19-Jährige damit gerechnet, dass BMW-Sauber-Stammpilot Robert Kubica nach seinem Unfall von Montreal wieder ins Auto zurückkehren würde. Doch das Veto der Ärzte für den Polen bescherte dem jungen Hessen aus Heppenheim seinen ersten GP-Start beim Großen Preis der USA in Indianapolis (Sonntag, 19.00 Uhr Mesz).

"Ich war oben in unserem Fahrerraum und hatte eigentlich nichts im wirklichen Sinne zu tun", beschreibt BMW-Junior Vettel, der am Sonntag als 44. Deutscher ein Formel-1-Rennen bestreiten wird, den Moment der Beförderung. Theissen habe am Telefon gemeint: "Stell Dich drauf ein, Du wirst am Wochenende fahren."

"Schon etwas Besonderes"

Im ersten Augenblick sei ihm gar nichts durch den Kopf gegangen. Der Gedanke habe sich erst langsam gesetzt. "Aber jetzt freue ich mich darauf", sagte Vettel, der als erstes seine Eltern zu Hause anrief. "Man hat damit geliebäugelt, aber nicht gedacht, dass es passiert. Von daher ist es schon etwas Besonderes", meinte Vettel, der am Sonntag mit 19 Jahren, elf Monaten und 14 Tagen gemeinsam mit dem Argentinier Esteban Tuero zum viertjüngsten Formel-1-Fahrer aller Zeiten wird.

Vettels erster Arbeitstag als Stammfahrer konnte sich sehen lassen. Der 19-Jährige belegte im freien Indy-Training den sechsten Platz. Damit war er zweitbester der insgesamt fünf deutschen Fahrer. Schneller war in der Kombination der beiden Trainingsabschnitte nur Teamkollege Nick Heidfeld (Mönchengladbach) auf Rang drei. Mit 83 gefahrenen Runden war Vettel am Freitag zudem der fleißigste aller Piloten.

Bestzeit für Alonso

Bestzeit fuhr Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) im Mclaren-Mercedes, der im teaminternen Duell den Briten Lewis Hamilton auf Position zwei verwies. Hamilton hatte in Montreal seinen ersten Formel-1-Sieg gefeiert und führt die WM-Wertung vor dem 7. von 17 WM-Läufen mit acht Punkten Vorsprung vor Alonso an.

Für BMW-Motorsportdirektor Theissen ist Vettels Einsatz anstelle von Kubica kein Problem. "Sebastian ist seit Istanbul im vorigen Jahr darauf vorbereitet", sagte Theissen. Damals war Vettel als Freitagsfahrer in die "Königsklasse" gekommen und hatte mit Bestzeiten in Istanbul und Monza für Furore gesorgt.

Jüngster Fahrer mit WM-Zählern?

Sollte er am Sonntag im Rennen ähnlich stark auftreten und vielleicht sogar gleich in die Punkteränge fahren, würde er ein Kunststück wiederholen, das zuletzt als deutsche Piloten sein BMW-Testfahrerkollege Timo Glock (Wersau) in Kanada 2004 und Nico Rosberg (Wiesbaden) in Bahrain 2006 geschafft hatten. Zudem wäre Vettel der jüngste Fahrer überhaupt mit WM-Zählern auf dem Konto.

Bis dahin kommt aber noch einiges an Arbeit auf ihn zu. "Das Rennen ist sehr lang, viel länger als die Rennen, die ich in den bisherigen Serien bestritten habe, von daher schauen wir mal, ob ich fit genug bin. Ich fühle mich gut soweit", meinte der Youngster, der 2006 Vizemeister der Formel-3-Euroserie war und in dieser Saison in der Renault World Series fährt. Die Strecke in Indianapolis kannte er bislang noch nicht. Ein kurzes Gespräch mit Teamkollege Nick Heidfeld (Mönchengladbach) und zwei Joggingrunden am Donnerstag waren alle Eindrücke, die Vettel vor dem freien Training am Freitag sammeln konnte.

Glock kein Thema

Anstelle von Vettel vielleicht den erfahreneren Glock einzusetzen, war für BMW kein Thema. "Sebastian ist unser Ersatzfahrer. Deswegen war es völlig klar, dass er fahren würde", meinte Theissen. Unter Druck setzen will er seinen Schützling aber nicht. "Das wäre falsch", sagte der BMW-Mann, der aber hofft, dass Vettel "die Qualitäten des Autos demonstrieren kann". In Montreal war Heidfeld mit dem weiß-blauen Boliden erstmals in der Teamgeschichte Zweiter geworden.

Viel Glück wünschte Vettel auch Kubica ("Sebastian wird einen guten Job machen"), der sich vier Tage nach dem Horror-Unfall von Montreal beim Test der Rennärzte am Donnerstag gut fühlte und gerne gefahren wäre. "Die Mediziner sind die Fachleute, wenn die etwas sagen, dann wird das auch gemacht", erklärte Theissen: "Sie haben bestätigt, dass Robert in erstaunlich guter Verfassung ist. Aber es bestünde das Risiko, dass ein zweiter Aufprall in so kurzer Zeit zu erheblichen Schäden führen könnte."

© SID

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