Motorsport für jedermann
Wie sich Fans in den Rennwagen „kaufen" können

Sportwagenhersteller wollen Rennserien zum Geschäft ausbauen: Sie bitten die wohlhabende Kundschaft hinters Steuer ihrer PS-Flitzer.
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KölnEs klingt nach dem Traum eines kleinen Jungen: „Man muss nur zur Rennstrecke kommen und seinen Helm mitbringen“, verspricht Stefan Moser, Sprecher der VW-Motorsport-Sparte. Nun ja, 75000 Euro sollte man auch nicht vergessen – so viel kostet einen Hobbyfahrer die Saison-Teilnahme am Scirocco R-Cup, den Mosers Arbeitgeber ausrichtet.

Das Besondere an diesem Markenpokal: Auf der Strecke mischen sich betuchte Kunden mit Nachwuchsfahrern und Promis. 30 Teilnehmer drehen ihre Runden in mit Bioerdgas betankten und von VW-Technikern auf Chancengleichheit getrimmten Sciroccos. VW nutzt die Sportplattform auch, um en passant die Ökokarte zu spielen.

Die Motorsport-Abteilungen der Hersteller entdecken den Kundensport als zunehmend attraktives Segment. Der Imagetransfer geschieht sehr unmittelbar: Beim Kundensport darf die PS-verliebte Klientel selber Gas geben – und den Wagen an seine Grenzen treiben, was im wahren Leben Führerscheinentzug bedeuten würde.

„Es gibt viele Enthusiasten, die einen Sportwagen tatsächlich einmal artgerecht bewegen wollen“, erklärte Ex-Rennfahrer Bernd Schneider einmal die Motive der sogenannten „Gentlemen-Driver“.

Loyale Fanfahrer und semiprofessionelle Teams werden so zu Markenbotschaftern. Im Windschatten der publikumsstarken Topserien wie Formel 1 oder DTM festigen Markenpokale wie der Scirocco-Cup, der Clio-Cup oder der 1990 gestartete Porsche Carrera Cup ihre Daseinsberechtigung. Im Gewimmel der Rennevents ist das schwer genug: 65 Autorennserien kämpfen in Deutschland um Aufmerksamkeit. Veranstalter oder Hersteller müssen meist den TV-Sendern Geld zahlen, um ihre Rennen ins Programm zu hieven. Der Scirocco-Cup läuft beim Spartensender Sport 1.

BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt sieht als Gegenfinanzierungsquelle neben dem Vertrieb der teuren Rennwagen an Privatiers auch den Ersatzteilverkauf: „Ziel im Kundensport muss eine schwarze Null sein, mindestens. Dabei sollten die Entwicklungskosten über die Laufzeit des Projekts eingespielt werden.“

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„Motorsport macht man aus Marketinggründen“

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