Renault und die Formel 1
Mit Vollgas in die gute, alte Zeit

Der Abschied war fest eingeplant: Nach dem Zerwürfnis mit Red Bull wollte Renault der Formel 1 den Rücken kehren. Umso spektakulärer ist das Comeback: Mit eigenem Team wollen die Franzosen wieder um den Titel kämpfen.

ParisRenault und die Formel 1, das ist eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen. Lange konnte der Konzern sich nicht entscheiden, ob er sich ganz aus der Königsklasse zurückziehen, sein Engagement als Motorenlieferant fortsetzen oder wieder mit einem eigenen Rennstall antreten solle. Renault-Chef Carlos Ghosn äußerte sich im vergangenen Jahr so euphorisch über die neue „Formel E“, in der nur Stromer antreten, und so zögerlich über die F1, dass man den Eindruck bekam: Der Abschied ist nur noch eine Frage der Zeit.

Doch die Formel E findet noch weitgehend ohne Anteilnahme der Öffentlichkeit statt, und die Formel 1 begeistert zunehmend die Asiaten, also die Märkte, auf denen die Marke mit dem Rhombus am Grill stärker werden will. Deshalb entscheid Ghosn nun: „Wir kehren mit eigenem Auto in die Formel 1 zurück.“ In „drei Jahren“ wolle man um die Weltmeisterschaft mitfahren, gab er im Interview mit „Le Figaro“ am Freitag als Ziel vor. Die Franzosen kaufen den unter Lotus antretenden Rennstall zurück, dessen Vorläufer sie 2009 an einen Finanzinvestor verkauft hatten.

Seitdem waren die Franzosen nur noch als Motorenlieferanten aktiv – allerdings so erfolgreich, dass sie zeitweilig die Formel 1 nach Lust und Laune dominierten: 2010, 2011, 2012 und 2013 gewannen Rennwagen mit Renault-Triebwerken die Weltmeisterschaft. Wer als Fahrer einen im Werk Viry-Chatillon südlich von Paris gebauten Motor im Kreuz hatte, besaß fast ein Abo auf den Sieg. Der Fahrer hieß in allen vier Jahren Sebastian Vettel.

Elfmal gewann ein Renault-Triebwerk die Weltmeisterschaft, zwei Mal im eigenen Werkswagen, und zwar 2005 und 2006 mit Fernando Alonso. Auch andere erfolgreiche Fahrer fuhren mit Renault als erste über die Ziellinie, etwa Alain Prost oder Ayrton Senna, der 1985 in einem Renault-getriebenen Auto seinen ersten Grand Prix gewann.

Zwischen 1992 und 1997 gingen fünf von sechs möglichen Weltmeistertiteln an ein Team mit Renault-Motoren. Nigel Mansell, Damon Hill, Jacques Villeneuve, Alain Prost und nicht zuletzt Michael Schumacher holten sich die Motorsportkrone mit dem französischen Aggregat. Die Formel 1 und Renault, das passte lange Zeit sehr gut zusammen.

Doch 2014 brach die mit Red Bull geschaffte Erfolgsserie ab. Das österreichische Team warf den Franzosen vor, ein unzuverlässiges Triebwerk mit unterlegener Leistung zu bauen, Renault gab den Druck weiter an seinen Brenn- und Schmierstofflieferanten Total, doch die Ergebnisse besserten sich kaum.

Dietrich Mateschitz, Chef des Brauseherstellers und nicht für seine Geduld bekannt, ätzte oft und ungehemmt gegen den Motorenpartner. An Vierfachweltmeister Vettel wollte er die Schuld am plötzlichen Abriss des Erfolgs ebenso wenig festmachen wie an Konstrukteurslegende Adrian Newey. Letzterer hatte schon in den 90ern mit seinen Entwürfen dafür gesorgt, dass Boliden mit Renault-Power eine wahre Dominanz erreichten.

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