Vorstoß von Liberty Media
Teams unterstützen Neustart der Formel 1

Liberty Media will die Formel-1 nach der Ecclestone-Ära grundlegend umbauen. Innovative Vermarktungswege, schnellere Autos und mehr Fans sollen dafür sorgen. Auf den Zuspruch der Teams kann er setzen. Eine Analyse.
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Der Medientycoon John Malone verordnet der Formel-1 einen Neustart. Die Königsklasse des Rennsports hat mit seinem in Denver (US-Bundesstaat Colorado) ansässigen Konzern Liberty Media nicht nur einen neuen Besitzer, sondern auch neue Autos und neue Regeln. Das Motto des 76-jährigen Malone ist einfach: Mehr Attraktivität, mehr Zuschauer, mehr Geld. Der amerikanische Milliardär will so schnell wie möglich die Ära des Briten Bernie Ecclestone hinter sich lassen. Am 26. März startet die Formel-1 mit dem Rennen im australischen Melbourne in eine neue Ära.

Seit Anfang des Jahres gehört Liberty Media die Formel-1. Das US-Medienimperium hat die Übertragungsrechte vom störrischen Altbesitzer Bernie Ecclestone für 4,4 Milliarden Dollar gekauft. Mit der Übernahme der Schulden beläuft sich der Kaufpreis auf acht Milliarden Dollar. Der Konzern, zu dem auch der Einkaufssender QVC, der Sportsender Eurosport und das Reiseinternetportal Expedia gehören, hat bereits sehr früh deutlich gemacht, dass er einen anderen Vermarktungsweg einschlagen wird – und zwar einen zeitgemäßen. Den Formel-1-Teams wurden in Großbritannien von Malones Formel-1-Manager Chase Charey die weitreichenden Pläne für den Neustart der Rennserie persönlich vorgestellt – darunter auch das Weltmeisterteam von Mercedes.

Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Formel-1-Teams, kündigte im Handelsblatt-Interview seine Unterstützung für den neuen Kurs von Malone an. „Unbestritten ist, dass es für die Zuschauer unattraktiv ist, wenn wir zwei Stunden im Kreis fahren“, sagte der 68-Jährige in Wien. „Hier setzt Liberty Media an. Sie wollen aus der Formel-1 ein Event machen. Wir glauben, dass das der richtige Ansatz ist.“

Auch die kleineren Teams stehen hinter Liberty Media. „Wir hoffen mit dem neuen Besitzer der Formel-1 auf eine fairere Verteilung der TV-Gelder“, sagt der Pressesprecher des Rennstalls Sauber dem Handelsblatt. „Die Unterschiede der finanziellen Ausschüttungen zwischen den Spitzen- und den Mittelfeldteams waren aufgrund der bilateralen Verhandlungen mit dem alten Besitzer Bernie Ecclestone zum Teil eklatant. Das könnte sich mit Liberty Media ändern.“ Tatsächlich denkt Malone über eine fairere Verteilung der Einnahmen nach, um indirekt die Rennen durch bessere Formel-1-Teams attraktiver zu machen. Er will für das in der Branche auch als „Bernie-Money“ – in Anspielung an den früheren Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone – bezeichnete Geld einen neuen Verteilungsschlüssel entwickeln. Hinzu kommt, dass den Rennställen ein Angebot auf dem Tisch liegt, sich auch direkt an der Formel-1 zu beteiligen. Das bestätigte Niki Lauda gegenüber dem Handelsblatt.

Liberty Media will zudem „neue“ Vermarktungswege einschlagen. Während der kauzige Ecclestone das Internet ignorierte und die kostenlose Veröffentlichung von Bildern und Videos der Rennstrecken und Boxengassen untersagte, gewährt der Konzern von John Malone den Teams die Einbettung von Medieninhalten auf Facebook, Twitter & Co. Die Auswirkungen sind bereits deutlich zu erkennen. Der offizielle Facebook-Kanal der Formel-1 wird derzeit mit Inhalten überflutet. Es sind Videos der neuen Boliden, Fotos aus der Boxengasse und kurze Interviews mit den Rennfahrern vor und nach den Rennen.

„Social Media wird in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt in der Vermarktung der Formel-1 darstellen“, ist sich der Pressesprecher von Sauber daher sicher. „Die Möglichkeit sich über Facebook und Twitter mit Bewegtbildern zu vermarkten, stellt eine große Chance auch für Sauber dar. Wir hoffen damit neue Sponsoren und Partner überzeugen zu können, in die Formel-1 einzusteigen.“ Formel-1-Marketingchef Sean Bratches sieht das genauso. „Wir würden gerne mehr Teams, mehr Sponsoren und mehr Rennstrecken an den richtigen Orten sehen.“ Die neuen Vermarktungsstrategien sollen möglichst bald frisches Geld in die Formel-1 spülen.

Aber noch steht man mit der Social-Media-Kampagne am Anfang. Das zeigt ein Vergleich mit der Moto-GP. Die Königsklasse im Motorradrennsport hat in den vergangenen Jahren das richtig gemacht, was bei der Formel-1 falsch gelaufen ist. Das beweisen die Social-Media-Daten: Während der Facebook-Kanal der Formel-1 knapp drei Millionen „Gefällt mir“-Angaben zählt, sind es bei der Moto-GP fast zwölf Millionen – Tendenz steigend.

„Das Potenzial der Formel-1 ist global betrachtet bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Wir sind weit davon entfernt“, mahnte deswegen Mercedes-Superstar Lewis Hamilton bei den Testfahrten in Barcelona die neuen Besitzer der Rennserie zu entschlossenen Reformen.

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