Investitionsschübe
Wie Metropolen von Olympia profitieren

Sportökonomen haben sich die olympischen Austragungsorte der Vergangenheit angeschaut und bilanziert, was die Investitionen vor Ort gebracht haben. Denn viele Städte, nun auch London, nutzen die Spiele zur Renovierung.
  • 0

BerlinInzwischen belegen viele Studien, dass Olympia weder die Beschäftigung noch die Einkommen langfristig steigen lässt. Warum also Olympia? „Dafür gibt es viele Argumente“, sagt Wolfgang Maennig. Der Ruder-Olympiasieger von 1988 und heutige Sportökonom beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Sportevents und hat dafür schon viele Statistiken gewälzt und erstellt. Er erzählt vom „Feelgood-Effekt“, vom Stolz auf die eigene Stadt. Und vom sogenannten „Nation Brands Index“, in dem versucht wird, das Ansehen eines Landes zu messen. Dabei schätzen weltweit Menschen Länder anhand von 17 Kriterien ein, etwa dessen Gastfreundschaft oder Kultur. „Vor der WM 2006 lag Deutschland da immer so zwischen Rang vier und sieben“, sagt Maennig, „danach konstant auf Platz zwei. In allen Kategorien haben wir uns nach der WM klar verbessert.“

Inzwischen geht man davon aus, dass auch Olympia das Ansehen eines ganzen Landes nachhaltig beeinflussen kann. In Australien hat man im Jahr 2000 errechnet, dass Olympia in Sydney dem Land eine Werbewirkung im Wert von etwa vier Milliarden Euro bescherte. Seit die Spiele von Mexiko City 1968 erstmals live und in Farbe in aller Welt zu sehen waren, sind sie aber vor allem für die Metropolen dieser Welt die attraktivste Werbebühne. Knapp fünf Milliarden Menschen werden in wenigen Tagen verfolgen, wie sich das altehrwürdige London eine Verjüngungskur verpassen will.

Die Olympischen Spiele sind aber mehr als ein zweieinhalbwöchiger Werbespot. Sie sind ein gigantisches Renovierungsprojekt: Im Wettkampf der Metropolen bietet Olympia die große Chance, in kürzester Zeit Infrastruktur und Image zu modernisieren – wenn man es gut plant. „München war da ein bisschen stilbildend“, sagt Hans-Jörg Stiehler. Der Leipziger war an einem Projekt der „Internationalen Gesellschaft für Medien und Kommunikationsforschung“ beteiligt, die die Auswirkungen von Olympischen Spielen auf die Städte von München 1972 bis Athen 2004 untersuchte. Mit unterschiedlichen Ergebnissen. München etwa habe „von der Infrastruktur her und von der Bedeutung des Orts ungeheuer gewonnen“, sagt Stiehler. „Sie haben eine ordentliche U-Bahn bekommen, Stadt- und Sportinfrastrukur erhalten und das olympische Dorf mit gescheiter Nachnutzung.“ Die Stadt erfand sich auch ein bisschen neu: „Durch Olympia ist München als Kultur- und Medienstandort überhaupt erst auf die internationale Landkarte gekommen.“

Erfolgreiche Stadtrenovierung betrieb 1992 auch Barcelona. Der schmuddeligen Hafenstadt gelang die Wandlung zur Kulturmetropole. Die halbe Innenstadt wurde saniert, mit dem olympischen Dorf entlang der Küste wurde ein komplett neues Stadtviertel gewonnen und die Verkehrsinfrastruktur verbessert. „Die Stadt ist richtig aufgeblüht und profitiert immer noch davon“, sagte Stiehler.

Seite 1:

Wie Metropolen von Olympia profitieren

Seite 2:

Probleme in Athen und Montreal

Kommentare zu " Investitionsschübe: Wie Metropolen von Olympia profitieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%