Mühsamer Viertelfinaleinzug
„Sbornaja“ verhindert den Supergau

Gastgeber Russland hat sich nach einer Strafrunde gegen Norwegen ins Viertelfinale des olympischen Eishockey-Turniers gemüht. Jetzt wartet Finnland. Dagegen feierte Slowenien seinen größten internationalen Erfolg.
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SotschiMit erstaunlich viel Mühe haben die russischen Eishockey-Superstars die größte Blamage ihrer olympischen Geschichte abgewendet. Gegen personell geschwächte Norweger rackerte sich die „Sbornaja“ am Dienstag zu einem meist glanzlosen 4:0 (0:0, 2:0, 2:0)-Erfolg und qualifizierte sich damit für das Viertelfinale.

Die nur von den Namen her beeindruckenden Sturmreihen um Alexander Owetschkin blieben in Sotschi ein weiteres Mal lange Zeit einfallslos und konnten sich ausgerechnet bei Alexander Radulow bedanken. Russische Medien hatten den Stürmer nach den ersten Partien heftig attackiert und als Strafe sogar seinen Rauswurf aus dem Kader gefordert.


Bei zwei Einzelaktionen traf der Profi von ZSKA Moskau zum 1:0 (25.) und bereitete das zweite Tor von Ilja Kowaltschuk vor (38.), ehe er auch zum 3:0 ins leere Tor des Außenseiters einschoss (59.). „Heute ist er dynamisch und effizient aufgetreten“, sagte Trainer Sinetula Biljaletdinow, „ich kann nichts Negatives sagen.“ Alexej Tereschtschenko stellte in der Schlussminute den Endstand her.

Damit kommt es in der Runde der besten acht Mannschaften am Mittwoch zum Duell gegen Finnland - ein historisches Aus konnten die Gastgeber abwenden. Eine Niederlage gegen die Norweger, die auf ihren einzigen NHL-Profi Mats Zuccarello wegen einer Handverletzung verzichten mussten, hätte den sechsten Platz von Vancouver 2006 sogar noch unterboten. „Wir werden vorbereitet sein“, kündigte Owetschkin vor der Partie gegen Angstgegner Finnland an. Das Suomi-Team hat zuletzt vier von sechs Matches bei Olympia gegen die Russen gewonnen.


Wie schon bei der 2:3-Niederlage gegen die USA im Penaltyschießen als auch beim schwachen 1:0 gegen die Slowakei ebenfalls im Shootout fanden die Russen nur ganz selten den direkten Weg zum Tor. Immer wieder bissen sich die Hausherren vor 11 423 Zuschauern im „Bolschoi“-Dom an der Defensive der tapfer verteidigenden Skandinavier fest. „Wir haben Fehler gemacht, vor allem in der Vorwärtsbewegung“, räumte Owetschkin ein. Dass er selbst ohne Treffer und Vorlage blieb, störte ihn offenbar nicht. „Es geht hier nicht um Statistiken, nicht um Torjäger-Ranglisten oder Scoring-Titel. Hier geht es einzig und allein um Gold.“

Zuvor hatten die Slowenen ihren bisher größten internationalen Erfolg gefeiert. Die Mannschaft mit sieben Profis aus der Deutschen Eishockey-Liga gewann ihr Qualifikationsspiel gegen Österreich mit 4:0 (2:0, 1:0, 1:0) und erreichte erstmals das Viertelfinale eines bedeutenden internationalen Turniers.

„Das ist mit Sicherheit das Größte, was wir in der Geschichte des slowenischen Eishockeys geschafft haben“, sagte Ziga Jeglic vom ERC Ingolstadt. „Gegen Österreich zu gewinnen, so etwas wie unser schärfster Rivale, ist gigantisch.“ Die Österreicher verpassten den Coup und müssen - übrigens genauso wie die ebenfalls zweitklassigen Slowenen - im Frühjahr um die Rückkehr zur A-WM spielen. „Wer weiß, ob wir je wieder so eine Chance bekommen“, klagte NHL-Stürmer Michael Grabner.



Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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