Olympia in Sotschi
Die Welt zu Gast bei Feinden

Korruption, Kostenexplosion, Diskriminierungen – die Olympischen Winterspiele stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Russlands Präsident Putin kann es egal sein – er profitiert von dem Großereignis wie kein Politiker vor ihm.
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DüsseldorfAuf der Fahrt in einem Geländewagen will Wladimir Putin die Idee gehabt haben. Er war noch jung im Amt des Präsidenten und kurvte durch die Schwarzmeerregion. Dann der Einfall: Russlands erste Olympische Winterspiele, im schönen Sotschi direkt am Meer, Pisten mit Blick auf den Palmenstrand, das wär's doch. Und so reifte vor mehr als zehn Jahren der Entschluss, von Sotschi aus ein neues Russland aufzubauen. „Es ist besonders schön zu sehen, was hier passiert, weil ich den Ort selbst gewählt habe“, sagte Putin, als er die Geschichte nun in einem Beitrag des Staatsfernsehsenders Rossija erzählte.

In vier Tagen beginnt ein Sportspektakel der Superlative: Rund 2800 Athleten kämpfen vom 7. bis 23. Februar um Gold, Silber und Bronze, so viele wie nie zuvor. 98 Medaillen-Entscheidungen stehen an, mehr als je zuvor. 37,5 Milliarden Euro stecken in Sportanlagen, Infrastruktur und neuen Luxushotels, so viel wie noch nie. Und noch ein Rekord fehlt in der Aufzählung der Veranstalter nie: Rund 50 Staats- und Regierungschefs werden während der Spiele in Sotschi erwartet – mehr als in Vancouver und 2006 in Turin, wie die Regierung betont.

Das ist ganz nach Putins Geschmack. Nicht von ungefähr betont er regelmäßig, dass die Olympischen Spiele kein „Wettkampf der Politiker“ sei. Diese Ansicht vertritt auch das Internationale Olympische Komitee. IOC-Präsident Thomas Bach versucht jedenfalls eine Grenze zu ziehen zwischen den nationalen Belangen Russlands und der Mission von Olympia. Von Putin-Spielen könne keine Rede sein. „Es sind Olympische Spiele in Russland“, sagte Bach in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Man dürfe nicht den Fehler machen, „die politische Meinung über ein Land auf die Spiele zu übertragen.“ Der Sport dürfe nicht als Knüppel der Politik missbraucht werden.

„Ich finde, wenn Politiker eine politische Botschaft haben, dann sollten sie auch den Mut haben, diese Botschaft im direkten Dialog mit den politisch Verantwortlichen vorzubringen und sie nicht auf dem Rücken der Athleten zu transportieren“, sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees. „Die Spiele sind für die Athleten da und den Sport. Die Athleten sollten von den Politikern unterstützt werden.“

Doch die Dauerkritik der vergangenen Wochen in den vornehmlich westlichen Medien an den Hochglanzspielen von Sotschi hat Spuren hinterlassen: Die Berichte handeln von Korruption, ausgebeuteten Wanderarbeitern, Umweltzerstörung, der Diskriminierung von Homosexuellen, einem Demonstrationsverbot, das mittlerweile wieder aufgeweicht wurde. Die Angst vor Terroranschlägen und die enormen Sicherheitsvorkehrungen werden häufiger thematisiert als die Schwierigkeiten der Abfahrtsstrecke oder die Schönheit der Schwarzmeerregion. Konsequenz: Sportler sind verunsichert, Politiker sagen ihre Besuche ab.

Kommentare zu " Olympia in Sotschi: Die Welt zu Gast bei Feinden"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • HB

    Wenn man keine Argumente hat, bedient man sich der Löschkeule....?

    Lachnummer !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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