Winterspiele in Sotschi
Gold für Samkova im Boardercross

Sieg mit Schnurrbart: Der aufgemalte Glückbringer erwies sich für die Tschechin Eva Samkova als goldrichtig. Die 20-Jährige gewann überraschend den Wettbewerb im Boardercross – weil die Favoritin unbedrängt stürzt.
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Krasnaja Poljana Eva Samkova hatte die schwierigste Aufgabe nach ihrem Olympia-Triumph im Boardercross noch vor sich. Mit einem aufgemalten Schnurrbart düpierte die Tschechin überlegen alle Etablierten in der Vollkontakt-Hatz mit vielen Stürzen - und sorgte sich danach um die Reinigung ihres Gesichts. „Es wird hart“, erzählte die 20-Jährige am Sonntag über den Glücksbringer in ihren Landesfarben. „Das Weiß hält ewig.“

Als Samkova unter den Gesängen von rund 50 tschechischen Fans auf der obersten Podeststufe auf und ab hüpfte, erklärte die große Dame des Snowboardcross immer wieder ihr erneutes Olympia-Scheitern. Im Halbfinale stürzte Lindsey Jacobellis unbedrängt in Führung liegend und verpasste das so ersehnte Gold auch im dritten Anlauf. „Es ist großer Mist“, ärgerte sich die 28-jährige Amerikanerin über ihr Missgeschick bei warmen Bedingungen. „Es war, als ob man auf Kartoffelbrei landet.“ Auch Vancouver-Olympiasiegerin Maelle Ricker aus Kanada schied frühzeitig aus.

Berühmtheit über ihren Sport hinaus hatte die dreimalige Weltmeisterin und achtfache X-Games-Siegerin Jacobellis schon vor acht Jahren erlangt. Damals war sie im Finale kurz vor dem sicheren Triumph aus Übermut bei einem Sprung gefallen und hatte sich mit Silber begnügen müssen. Auch in Vancouver 2010 scheiterte sie mit einem Fahrfehler im Halbfinale. „Es bricht mir das Herz“, sagte Teamkollegin Faye Gulini, die hinter der Kanadierin Dominique Maltais und Chloe Trespeuch aus Frankreich Vierte wurde. „Keine verdient eine Goldmedaille mehr als Lindsey.“

Gulini verdeutlichte auch eindrucksvoll die ambivalente Faszination ihres Sports: „Es ist ein großartiger Kurs, aber er ist beängstigend.“ Der temporeiche Kampf von jeweils sechs Athletin über Wellen, Sprünge und Steilkurven faszinierte die Zuschauer im Extreme Park, der sich so stimmungsvoll wie bislang noch nie bei diesen Olympischen Spielen präsentierte. Doch gleich mehrere schwere Stürze sorgten für Aufschreie, alleine drei Athletinnen wurden im Akja ins Ziel gebracht.

„Wir haben sonst nie so große Sprünge, aber es macht so viel Spaß“, sagte Gulini. „Einige Mädels haben nicht die Fähigkeiten darauf zu fahren, aber der Kurs ist sicher. Du zitterst richtig vor Adrenalin.“ Die norwegische Medaillenkandidatin Helene Olafsen stürzte bereits im Vorkampf mit der Startnummer Eins alleine auf der Piste und zog sich eine schwere Knieverletzung zu. Wenig später schlug die Amerikanerin Jacqueline Hernandez mit dem Hinterkopf auf den Schnee - nachdem sie offenbar für kurze Zeit ihr Bewusstsein verloren hatte, saß sie wieder aufrecht. Bei der Österreicherin Susanne Moll bestand Verdacht auf eine leichte Gehirnerschütterung.

So hart es klingt: Die Sportlerinnen sind sich bewusst, dass sie einen gefährlichen Sport ausüben. Verletzungen gehören fast schon zur Tagesordnung. „Jeder fährt am Maximum“, erklärte der kanadische Trainer Marcel Mathieu das Risiko. „Wir üben jede Situation, wenn also jemand vor dir stürzt, weichst du aus. Am Fernsehen sieht es manchmal wie Glück aus, aber es ist trainiert.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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