Social Media
Von wegen Maulkorb

Bei den olympischen Spielen in Rio kämpfen die Athleten auch um die beste Social-Media-Geschichte. Mit im Rennen: Ein singender Schwimmer, ein Diskuswerfer am Grill und ein Säbelfechter, der mit einer Klospülung kämpft.

Rio de JaneiroDie Aufregung kurz vor dem Olympia-Start war groß. Wegen der sportlichen Wettbewerbe, der Hoffnung auf Medaillen, klar. Aber auch wegen eines angeblichen Maulkorbs, der es den Olympia-Athleten verbieten sollte, bestimmte Begriffe und Bilder in sozialen Netzwerken im Internet zu teilen. Alles ein Missverständnis, hieß es nach ein paar Tagen. Mit anderen Worten: Weg frei für Selfies aus Rio und Dankesbriefe an die Fans.

So zeigte die US-Beachvolleyballerin April Ross ihren Twitter-Fans nach der Eröffnungsfeier im Maracanã ihr schönstes Zahnpasta-Lächeln und schrieb: „Es ist tatsächlich real!!“ Die französischen Handballer Nikola und Luka Karabatic verbreiteten ein Foto, das sie gemeinsam beim Teameinlauf zeigt. Und Schwimmstar Michael Phelps schrieb auf Instagram von der „Ehre, das Team USA anzuführen“. Ihnen allen gemein: Dazu stellten sie das Schlagwort #Rio2016. Auch dieser Hashtag wäre den überholten Gerüchten zufolge verboten gewesen.

Herbeigeführt hatte die Verwirrung die Regel 40.3 in der Olympischen Charta. Darin heißt es, dass „kein Wettkampfteilnehmer, Trainer, Betreuer seinen Namen, sein Bild oder seine sportliche Leistung für Werbezwecke während der Olympischen Spiele einsetzen darf, außer dies wurde vom IOC genehmigt“. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) stellte aber klar, dass lediglich die kommerzielle Nutzung der Aufmerksamkeit während der Spiele eingeschränkt sei.

Diskuswerfer Robert Harting dürfte das gefreut haben. Der Olympiasieger von 2012 bedankte sich auf Facebook bei seinen Fans „für die Unterstützung und ganzen Likes und Reposts“. Und schickte dazu ein GIF - ein Foto mit Texteinblendungen - , das ihn als Kind am Grill zeigt. Die Botschaft darauf: „Dieser Typ hat mal bei Olympia Gold gewonnen. Jetzt hat er 60 000 Facebook Likes. Bei 100 000 wird er diese Würste live grillen.“

Das Spektrum der Social-Media-Inhalte der Athleten ist breit. Mehrere deutsche Hockeyspieler machten Selfies - mal mit den Tennisstars Rafael Nadal und Novak Djokovic, mal mit Basketballer Pau Gasol. Auch die internationalen Topstars selbst halten sich nicht zurück. Dabei geht es nicht immer nur um Olympia. Sprint-Ass Usain Bolt etwa schickte zu Jamaikas Unabhängigkeitstag via Instagram einen Gruß an seine Landsleute. Ein paar Tage zuvor hatte er noch mit Soldaten der brasilianischen Marine posiert.

Schwimmer Phelps, mit 19 Goldmedaillen erfolgreichster Olympionike, mag es dagegen musikalischer. Er ließ sich mit den anderen US-Schwimmern beim gemeinsamen Karaokesingen im Auto filmen. In dem knapp achtminütigen Video schmettern die Sportler etwa den Titelsong der Kult-Sitcom „Friends“ und fragen Passanten nach dem Weg nach Rio.

A propos Anreise: Häufig zu sehen waren auch Selfies aus dem Flugzeug, etwa vom deutschen Taekwondo-Teilnehmer Levent Tuncat, der sich mit rotem Cap und greller roter Sonnenbrille zeigte. Von Prominenten wie dem früheren Handballer Stefan Kretzschmar erhält das deutsche Olympia-Team online Unterstützung. Kretzschmar lobte zum Beispiel den Turner Andreas Toba, der trotz eines Kreuzbandrisses weitermachte. „Das ist Olympia. Maximalen Respekt“, twitterte er.

Die Schwimmerin Alexandra Wenk schrieb nach ihrem enttäuschenden Olympia-Auftakt dagegen auf Facebook: „Tja. Keine Ahnung lautet die Antwort auf die Frage, woran es gelegen hat.“ Immerhin bekam sie daraufhin aufmunternde Worte von den Fans: „Wirklich nicht traurig sein... Wir fanden dich super.“

Ganz andere Sorgen offenbarte allerdings der Säbelfechter Matyas Szabo im Interview des DOSB. Über das Olympische Dorf sagte er: „Es funktioniert alles. Wobei, die Spülung manchmal ...“ Auf die Nachfrage, ob er etwa „Klopapier in die Toiletten werfe“, prustet Szabo dann los: „Ich? Nee! Nicht mehr!“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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