Allgemein Doping
Nada-Chefin will Anti-Doping-Kampf umgestalten

Nada-Chefin Anja Berninger will den deutschen Anti-Doping-Kampf mit einem Drei-Säulen-System effektiver gestalten. Ein Anti-Doping-Gesetz hält sie nicht zwingend für notwendig.

Die kommissarische Nada-Chefin Anja Berninger will den Anti-Doping-Kampf in Deutschland mit einem Drei-Säulen-System effektiver gestalten. Neben der Optimierung des direkten und indirekten Dopingnachweises hält Berninger eine engere Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden für unumgänglich. Zudem sieht sie die Federführung bei der Behandlung jedes Dopingfalles bei der Nationalen Anti Doping Agentur.

Ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland hält sie nicht zwingend für notwendig. "Wenn alle Möglichkeiten des bereits verbesserten rechtlichen Rahmens für den Anti-Doping-Kampf genutzt würden, würde das ausreichen. Hilfreich wäre unter anderem auch eine gesetzlich geregelte automatische Information der Nada durch die Staatsanwaltschaften bei dopingrelevanten Hinweisen", sagte Berninger dem Sport-Informations-Dienst (SID) am Rande eines Antidoping-Seminars im bayerischen Nördlingen.

Sie begrüße vielmehr einen differenzierten Weg bis zur Verhängung eines Urteils. "Die Nada könnte vom Verdachtsmoment bis zur Einleitung eines Verfahrens die Federführung übernehmen, nicht mehr die betreffenden Verbände. Danach sollte die Entscheidung einem unabhängigen Schiedsgericht obliegen. Ein Pool unabhängiger Experten, aus dem wir je nach Fall auswählen könnten, wäre wünschenswert", sagte Berninger.



Konzentration auf "direkten Dopingnachweis"

Eine Vorgehensweise wie im Fall von Tischtennis-Europameister Dimitrij Ovtcharov wäre damit ausgeschlossen. Der Deutsche Tischtennis-Bund (Dttb) hatte seinen eigenen Athleten trotz positiver A- und B-Probe auf Clenbuterol freigesprochen.

Zudem müsse man sich, so die Nada-Geschäftsführerin, "auf den direkten Dopingnachweis konzentrieren und dort die Lücken schließen". Der indirekte Nachweis habe Zukunft, dort müsse aber nachgebessert werden. "Wir sind in der Pflicht, Guidelines zu entwickeln, die aussagekräftig genug sind, Doping nachzuweisen und gleichzeitig höchste Rechtssicherheit bieten", sagte Berninger: "Je mehr Indizien beim indirekten Nachweis hinzugezogen werden, desto besser."

Klar sei aber, dass der direkte Nachweis "immer die größte Rechtssicherheit bieten" werde. "Ich hoffe, dass die Analytik irgendwann so gut sein wird, dass der Einfallsreichtum von Athleten und Hintermännern, sie zu umgehen, an seine Grenzen stößt", sagte Berninger.



Intensivierung der Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlungsbehörden

Außerdem regte Berninger eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den staatlichen Ermittlungsbehörden an. "Wir brauchen mehr Einsicht in die Akten. Ein Anfang ist gemacht, wir haben auf Grundlage der Akteneinsicht schon sieben sportrechtliche Verfahren eröffnet. Aber natürlich muss das ausgebaut werden."

Berninger räumt ein, dass vor der Nada noch ein weiter Weg liegt. "Ein Athlet hat nach wie vor große Chancen, bei einem Dopingverstoß nicht erwischt zu werden. Aber wir knüpfen das Netz immer enger", sagte sie.

Berninger leitet nach dem Rücktritt von Göttrik Wewer die Bonner Antidoping-Zentrale seit dem 1. Oktober kommissarisch. Zuvor war sie Justiziarin der Nada.

© SID

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