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Allianz Arena nimmt 1 860 in die Aufstiegspflicht

Nach Gottes Segen kam der große Regen, doch trotz mancher Hindernisse hat die Allianz Arena ihre Feuertaufe bestanden und beim TSV 1 860 München Hoffnungen auf glanzvollere Zeiten geweckt.

dpa MÜNCHEN. Nach Gottes Segen kam der große Regen, doch trotz mancher Hindernisse hat die Allianz Arena ihre Feuertaufe bestanden und beim TSV 1 860 München Hoffnungen auf glanzvollere Zeiten geweckt.

Bei der feucht-fröhlichen Premierenparty und dem 3:2-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg war es für die "Löwen" die reinste Freude, einen Tag vor dem ungeliebten Orts-Rivalen FC Bayern den hochmodernen Fußball- Tempel offiziell einweihen zu dürfen. Statt des deutschen Rekordmeisters schrieb ein Zweitligist als erster Sieger im neuen Stadion Münchner Fußballgeschichte und lieferte mit Patrick Milchraum auch noch den ersten Torschützen dazu.

Den Segen der katholischen und evangelischen Kirche hätte es nicht gebraucht, um die Sechziger in Festtagslaune zu versetzen. Zuerst die Sticheleien von Bayern-Präsident Franz Beckenbauer, der die 340 Mill. teure Arena als falschen Ort für einen Zweitligisten bezeichnet hatte, dann die Spottgesänge der Nürnberg-Fans ("60, 60, Zweite Liga, wie ist das schön, euch nie mehr zu sehn"). Am Ende war dann der fromme Wunsch der evangelisch-lutherischen Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler, der FC Bayern möge wieder Meister werden, für den TSV 1 860 Ansporn genug, um als Sieger den hier und dort etwas löchrigen "Powerrasen" zu verlassen.

Der Prestigeerfolg gegen den Klasse höheren "Club", eingeleitet von Milchraums historischem Tor nach 8:14 Minuten und abgeschlossen durch Lance Davids und Slobodan Komljenovic, und die einmalige Atmosphäre hat die Sechziger in die Aufstiegspflicht genommen. "Es gäbe nichts Schöneres, wenn wir im nächsten Jahr hier den Aufstieg feiern können", sagte Milchraum, für den es ein "wunderschönes Gefühl" war, den ersten Treffer erzielt zu haben: "Das erste Tor vor über 60 000 Zuschauern, das ist was ganz anderes als im Grünwalder Stadion." Trainer Reiner Maurer wollte kein Versprechen abgeben, "aber es hat rundum gepasst. Das Erfolgserlebnis macht Mut."

In der Zweiten Liga wird der Traditionsclub wohl nur noch halb so viele Fans in die Arena locken, aber beim Unternehmen Aufstieg ist 1 860 nicht allein. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der "dieses herrlich blaue Fußballstadion" seiner Bestimmung übergab, ist genauso ein eingefleischter "Löwen"-Fan wie Schauspieler Ottfried Fischer ("Der Bulle von Tölz"), der mit seinen Verbal-Attacken gegen die Bayern den Fußballkessel zum Kochen brachte: "Das Stadion gehört uns. Alle zwei Wochen verleihen wir's an die Roten." Auch Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf outete sich als 1 860-Sympathisant: "Ich hoffe, dass wir uns übernächste Saison in der Ersten Liga wiedertreffen."

Im weiß-blauen Fahnenmeer stand Ministerpräsident und Bayern-Fan Edmund Stoiber (CSU) auf verlorenem Posten. Seine Hymne auf "das schönste Stadion der Welt" ging im Pfeifkonzert der "Blauen" völlig unter. Was aber auch an der schlechten Akustik lag. Hier ist wie beim Rasen, dem bargeldlosen Bezahlsystem oder den Orientierungshilfen für die Besucher nachzubessern. Umdenken müssen auch Spieler, allein schon wegen der gefährlich nahen Banden, und Trainer. "Die Stimmung ist sensationell, das Stadion beeindruckend", meinte Wolf, "aber es gibt einige kleine Fallen." Wie die "viel zu niedrige Trainerbank. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht den Kopf anstößt..."

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