America's Cup
Segeln wird zum TV-Krimi

Das Fernsehen braucht neuen Stoff, der Segelsport neue Fans - eine ideale Kombination, von der beide Seiten nur profitieren können. Der America?s Cup ist die perfekte Bühne für spannende Heldendramen.

HB DÜSSELDORF. Der America?s Cup soll im Jahr nach der Fußball-WM das TV-Sportereignis des Jahres werden. Dieses Ziel haben sich nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender hierzulande gesteckt. Hätte jemand eine vergleichbare Behauptung vor 20, ja sogar noch vor zehn Jahren aufgestellt, er wäre gnadenlos ausgelacht worden. Es ist noch nicht lange her, dass der Segelsport meist nur dann die Schlagzeilen eroberte, wenn ein Orkan über eine Regattaflotte hinweggetobt oder der Mast einer berühmten Yacht gebrochen war. Die Berichterstattung entsprach in Art und Umfang nicht annähernd den segelsportlichen Leistungen. Der Segelsport hatte einfach keinen Platz in der Hitliste telegener Sportarten.

Dabei ist Segeln spannend und extrem telegen. Pech nur, dass es ebenso extrem teuer ist, diese Behauptung mit entsprechend gutem Material vom Regattasport zu beweisen. Für die optimale Reportage braucht es Bilder aus der Luft (Helikopter), Bilder von Begleitbooten und Onboard-Impressionen. Dazu Einstellungen an Land und Kamera-Blicke hinter die Kulissen der Teams. Da wird auch dem Laien schnell klar, welch immense Produktionskosten mit solchem Aufwand verbunden sind. Ein Problem, das TV-Produzenten jahrzehntelang lähmte. Doch jetzt kommt die TV-Welle auch im Segelsport in Schwung. Im Milliardengeschäft America?s Cup ergeben die gebündelten Interessen von Veranstaltern, Sponsoren und Teams genügend Mittel zur Finanzierung aufwendiger und entsprechend guter Produktionen.

Die Zeiten haben sich geändert. Ein kleiner, aber typischer Beweis für das gestiegene Image des Regattasports und seiner Protagonisten: Jochen Schümann, immerhin dreimaliger Olympiasieger und Weltsegler des Jahres 1996, ist 2005 erstmals in seinem Leben als Gast ins "Aktuelle Sportstudio" gebeten worden. Sein America?s Cup-Sieg machte es möglich.

Nach 156 Jahren wird das 32. Duell um den America?s Cup 2007 wieder in Europa, im spanischen Valencia, ausgetragen. Mit dem America?s Cup Management (ACM) hat die prestigereiche wie glamouröse Regatta nun ein zumindest auf dem Papier unabhängiges Management bekommen, das massive Renovierungsmaßnahmen für den historischen Wettbewerb durchficht. In ihren Bemühungen, den America?s Cup der breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen, haben die Organisatoren nicht gekleckert. Sie möchten bis zum Cup-Ende im Juli 2007 zehn Millionen Menschen in die Häfenstädte holen, in denen der Cup-Tross gastieren wird. "Vor zehn Jahren wäre es noch völlig undenkbar gewesen, so große Zuschauermassen für den Segelsport zu bewegen", sagt ACM-Pressesprecher Marcus Hutchinson, "doch in Zeiten der Billigflüge und des Internets passt es perfekt, dass der Cup zurück in Europa ist."

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