Angst vor Abstieg
Poss in der Schusslinie

Greg Poss steht nach der bitteren Niederlage gegen Kasachstan mächtig unter Druck. Einige Experten unken bereits, dass es eine solche Niederlage unter einem Cheftrainer Hans Zach nicht gegeben hätte.

HB WIEN. Nach dem verkorksten WM-Start unter Bundestrainer Greg Poss geht bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft die Angst vor dem vierten Abstieg nach 1964, 1973 und 1998 um. Mit gesenkten Häuptern, leeren Blicken und schweren Beinen schlichen die deutschen Eishockey-Cracks mucksmäuschenstill durch die Katakomben der Wiener Stadthalle. Sieben Jahre nach dem Sturz in die Zweitklassigkeit herrschte bei der DEB- Auswahl eine Stimmung wie auf einer Beerdigung. Das enttäuschende 1:2 gegen Kasachstan beim WM-Start in Österreich wirkte am Sonntagabend schon wie der Anfang vom neuerlichen Ende.

"Wir haben vorher gesagt, wenn wir verlieren, wird es ganz schwer. Jetzt wird es ganz schwer", sagte Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes, nach der 1:2-Auftaktpleite gegen Kasachstan bei der Weltmeisterschaft in Österreich. Nach der ersten Niederlage gegen die Nummer 17 der Eishockey-Welt seit der B-WM 1999 (1:5) droht der Gang in die Relegation. "Das kann eine ganz brutale Abstiegsrunde werden. Darüber will ich noch gar nicht nachdenken", meinte DEB-Präsident Hans-Ulrich Esken. Noch kann die DEB-Auswahl aus eigener Kraft den Weg in die Relegationsrunde vermeiden, müsste sich dafür allerdings nach der erschreckend konfusen Vorstellung zum Auftakt deutlich steigern.



"Wir haben noch zwei Chancen", betonte Esken. Am Dienstag im zweiten Gruppenspiel gegen den zehnmaligen Weltmeister Tschechien um NHL-Superstar Jaromir Jagr ist das Poss-Team krasser Außenseiter. Am Donnerstag könnte der Erzrivalen Schweiz das deutsche Team in die Abstiegsrunde und damit auch für zwei Spiele nach Innsbruck schicken, nachdem die Schweizer im Vorjahr dem DEB-Team in Prag den Weg ins Viertelfinale verwehrt hatten. Das damalige 0:1 war zugleich das letzte Länderspiel unter dem damaligen Bundestrainer Hans Zach, unter dessen Regie der Wiederaufstieg und dann drei Viertelfinal-Teilnahmen gelungen waren.

Der Enttäuschung von Prag folgte am Sonntagabend der möglicherweise fatale Fehlstart von Wien. Zachs Nachfolger Greg Poss hatte zuvor betont, die komplette Vorbereitung sei auf dieses eine Spiel abgestellt. Danach versuchte er, so positiv wie möglich zu bleiben. "Wir haben die maximale Zeit, um das auszubügeln. Wir dürfen jetzt nicht aufgeben und deprimiert sein, dann werden wir uns nur selbst schlagen", sagte der 39 Jahre alte Amerikaner. "Es hilft uns nicht, auf uns selbst zu hauen. Wir müssen gerade jetzt in dieser schweren Situation unser bester Freund sein."

Muss die deutsche Mannschaft in die Relegation gegen die Letzten der drei anderen Vorrundengruppe, könnte folgendes Szenario Realität werden: Rutscht auch Lettland, als WM-Gastgeber für 2006 automatisch qualifiziert, in die Abstiegsrunde, bleibt nur der Tabellenerste erstklassig. Bundestrainer Poss, dessen Vorgänger Zach die DEB-Auswahl zurück in die A-Gruppe und dann dreimal hintereinander ins WM-Viertelfinale geführt hatte, musste sich nach der Pleite bei seinem WM-Debüt mehr oder minder deutliche Systemkritik anhören. "Nach ein, zwei schnellen Pässen waren wir immer wieder in der eigenen Zone in Unterzahl", bemängelte Reindl die zu offensive Ausrichtung des Poss-Teams.

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