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Bach will Fall Armstrong mit allen Mitteln klären

IOC-Mitglied Thomas Bach hat gefordert, die "Akte Armstrong" nicht aus "formal-rechtlichen Gründen zu schließen, sondern eine Untersuchung einzuleiten, wenn der Test einwandfrei war."

Geht es nach IOC-Mitglied Thomas Bach, sollte der Fall Lance Armstrong mit allen juristisch möglichen Mitteln aufgeklärt werden, auch wenn die Chancen für eine Verurteilung des Amerikaners gering sind, der unter dem Verdacht des Epo-Missbrauchs bei der Tour de France 1999 steht. Der US-Amerikaner hatte die Vorwürfe auf seiner Internet-Seite am Dienstag bestritten.

Akte nicht aus formal-rechtlichen Gründen schließen

"Ich plädiere dafür, die Akte nicht aus formal-rechtlichen Gründen zu schließen, sondern eine Untersuchung einzuleiten, wenn der Test einwandfrei war", sagte der Leiter der Juristischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dem Sport-Informations-Dienst.

Gefordert sind laut Bach der Radsport-Weltverband UCI und die Welt-Antidoping-Agentur (Wada), die beide aktiv werden könnten. "Ein von ihnen eingeleitetes ordnungsgemäßes Verfahren hätte auf jeden Fall den Vorteil, dass der Fall bis ins Detail aufgeklärt werden kann."

Fehlen einer zweiten Probe kein Hindernis

Juristisch vertritt Bach den Standpunkt, man solle sich auf den aktuellen Antidoping-Code berufen, weil die Nachuntersuchung der 1999 von Armstrong genommenen Probe erst 2004 vorgenommen worden sei und damit "jetzt geltendem Recht" unterliege. Auch das Fehlen einer zweiten Probe sei kein Hindernis. Im IOC lasse man in solchen Fällen die noch vorhandene B-Probe teilen: "Dann hat man wieder eine A- und eine B-Probe."

Ob dieser Weg letztlich zu einer Sanktionierung Armstrongs führen würde, ist für den Tauberbischofsheimer offen. "In jedem Fall würde man ein Zeichen setzen, Verstöße auch nach Jahren transparent zu machen."

Tour-Direktor Leblanc enttäuscht

"Fassungslos" zeigte sich Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc: "L´Equipe hat mir und der ganzen Welt eröffnet, dass wir missbraucht worden sind." Die L´Equipe, die den Epo-Nachweis bei Armstrong aus dem Jahr 1999 aufgedeckt hatte, berichtete am Mittwoch noch einmal unter dem Titel "Nach dem Skandal" seitenweise über den entzauberten Champion. Dabei wurden weitere Details über die im IOC-Labor Chatenay-Malabry bei Paris ausgewerteten Tests bekannt.

Insgesamt waren im vergangenen Jahr 200 tiefgefrorene Proben von der Tour de France aus den Jahren 1998 und 1999 analysiert worden. Von den zwölf Positivtests gehören allein sechs zu Armstrong, die Namen der weiteren Sünder sind aber nach wie vor nicht bekannt.

Pound: "Im Radsport überrascht mich gar nichts mehr"

Die Resultate aus dem Pariser Labor sind mittlerweile auch der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) übermittelt worden. "Im Radsport überrascht mich gar nichts mehr. Aber das Besondere an diesem Fall ist, dass es diese direkte Verbindung zwischen Armstrong und einem positiven Test gibt", erklärte Wada-Chef Dick Pound, der die Situation als "sehr interessant" einstuft, sich aber nicht zu möglichen Konsequenzen äußert.

Während Armstrongs einstige Gegner um T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich auch bei der Deutschland-Tour alle Fragen abblockten und sich an "Spekulationen nicht beteiligen" wollten (Ullrich), erfuhr Armstrong Rückendeckung von den fünfmaligen Tour-Siegern Eddy Merckx und Miguel Indurain. Beide erklärten, Armstrong habe ihnen gegenüber immer seine Unschuld beteurt. "Lance hat weiterhin mein Vertrauen", sagte Merckx.

© SID

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