Biathletin Magdalena Neuner
„Ich will ganz oben stehen“

Trotz der krankheitsbedingten Absage für den Weltcup-Auftakt im schwedischen Östersund gibt sich Biathletin Magdalena Neuner vor Beginn der Saison im Interview optimistisch und schielt nach olympischen Medaillen.

Magdalena Neuner, am Mittwoch beginnt der Olympiawinter wegen eines viralen Infekts ohne Sie...

Das ist natürlich bitter. Ich bin weitgehend gesund durch die Vorbereitung gekommen, und dann erwischt es mich ausgerechnet zum Weltcup-Auftakt. Es geht mir eigentlich nicht schlecht, aber für Training oder gar Wettkampf reicht es halt noch nicht. Jetzt kuriere ich mich richtig aus und greife in Hochfilzen an.

Wirft Sie das in der Olympiavorbereitung weit zurück?

Nein, ich will natürlich beim Saisonhöhepunkt am fittesten sein. Dann werde ich mich eben ab dem zweiten Weltcup in Hochfilzen richtig reinhauen. Aber ich werde auch die Rennen in Österreich entspannt angehen, ich bin ja nicht so die Schnellstarterin. Die ersten Zehn sind erstmal das Ziel, ich werde die Olympia-Norm schon schaffen.

Hat der Weltcup in diesem Olympiawinter überhaupt eine Bedeutung für Sie?

Ich quäle mich nicht nur für fünf Wettkämpfe bei Olympia, das wäre nicht befriedigend. Der Gesamtweltcup ist auch nach dem verpassten Auftakt ein Ziel, die Heim-Weltcups sind absolute Highlights. Ganz oben zu stehen, kann man immer genießen.

Auch bei Olympia?

Ich bin sechsmal Weltmeisterin, da bleibt Gold bei Olympia natürlich mein Ziel. Ich gehe dort an den Start und will ganz oben stehen. Aber ich verspreche nichts und lasse mich auch nicht unter Druck setzen. Auch wenn jeder erwartet, dass ich da ganz groß abräume. Schließlich bin ich in Vancouver erst 23 und habe bei Olympia noch mehrere Chancen.

Sie könnten in Vancouver aber auch eine zusätzliche Medaillenchance im Langlauf bekommen ...

Bundestrainer Jochen Behle hat angefragt, natürlich fühle ich mich geehrt und habe mich auch gefreut. Aber ich bin Biathletin und werde gewöhnlich immer eine Waffe auf dem Rücken haben. Das muss klar sein. Es kann aber sein, dass ich bei Olympia im Langlauf zum Einsatz komme. Ich habe das im Hinterkopf. Aber wir haben sehr gute Langläuferinnen in Deutschland. Deshalb wäre es vorschnell, jetzt schon zu entscheiden.

Haben Sie an ihren latenten Schießproblemen gearbeitet?

Ich habe diesmal nicht wie letztes Jahr extra mit einem Schießtrainer geübt, sondern eher im mentalen Bereich. Es ist schon eine krasse Situation, wenn du vor 20 000 Zuschauern einfach so die Scheiben wegschießen musst. Manchmal hatte ich am Start Angst, dass ich mich im Ziel rechtfertigen muss. Da ist es besser, wenn ich mich hinstelle und mir keine Gedanken mache. Jetzt mache ich einfach meine Schüsse. Das ist großer Schritt nach vorn.

Sie haben ihre Vorbereitung auf den Olympiawinter zumeist auf einem Truppenübungsplatz absolviert, wo die Schießanlage nur dank einer Autobatterie funktionieren soll ...

Ruhpolding ist halt zwei Stunden entfernt. Die Bedingungen dort könnten besser sein, aber ich trainiere gern da. Es gibt keine Toiletten, kein Licht und keine Heizung in der Umkleide, aber die Trainingsgruppe ist superschön. Ich bin da schon eine der Ältesten. Ich brauche keinen Superhightech-Schießstand.

Wie finden Sie es, dass Ihr Bundestrainer Uwe Müßiggang nach dem Winter Chefcoach für Frauen und Männer werden soll?

Ich glaube schon, dass er das gut machen kann. Jetzt sind Damen und Herren getrennt. Da ist es eine gute Idee, wenn die deutsche Mannschaft wieder eins wird.

© SID

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