Biathlon-Wettkämpfe in San Sicario
Deutsche wollen in jedem Rennen auf's Stockerl

Noch nie waren die deutschen Biathleten bei Weltcups im olympischen Vorfeld so erfolgreich wie in diesem Jahr. Noch nie waren allerdings auch die Ergebnisse so wenig repräsentativ wie in diesem Winter. Bei jedem Rennen fehlten entweder ganze Mannschaften oder einzelne Top-Athleten.

HB TURIN. Zuletzt setzte in Oberhof und Ruhpolding der norwegische Biathlon-König Ole Einar Björndalen aus. Rückschlüsse auf das wirkliche Kräfteverhältnis fallen deshalb schwer. "Eines kann man aber sagen: Wir sind vorn dabei und die Männer haben Selbstvertrauen getankt", meinte Bundestrainer Frank Ullrich. Uwe Müssiggang, der Chef der deutschen Frauen, fügte an: "Und wer vor dem frenetischen deutschen Publikum keine Nerven zeigt, der sollte auch bei Olympia bestehen können."

Vor vier Jahren in Salt Lake City waren die deutschen Skijäger mit Olympiasiegen für Andrea Henkel (Einzel), Kati Wilhelm (Sprint) und die Frauen-Staffel sowie fünf Silbermedaillen und ein Mal Bronze erfolgreichste Nation. Das sind die Hoffnungen auch für die Rennen in San Sicario, wenngleich die Wiederholung dieser Traumbilanz angesichts der noch enger zusammen gerückten Weltspitze ungleich schwerer wird. "Wir wollen stets eine auf's Stockerl bringen. Dass gelingt nicht immer, ist aber unser Anspruch", redete Müssiggang Klartext.

Allerdings darf er in den olympischen Entscheidungen nur vier Frauen ins Rennen schicken. Das schmälert die Erfolgsaussichten. Dafür werden in San Sicario erstmals Medaillensätze nach je fünf Entscheidungen der Damen und Herren vergeben. Als neue olympische Disziplin neben Einzelrennen, Sprint, Verfolgung und Staffel ist der Massenstart dazu gekommen. Vorerst allerdings nur mit der Zusage seitens des IOC für die Turiner Spiele.

Zur Vorbereitung für die Rennen auf fast 1 700 Meter Höhe sind die Südtiroler Höhentäler, österreichische Trainingszentren wie Obertilliach und Tauplitz oder das französische Haute Maurienne bevorzugter Aufenthaltsort der besten Nationalmannschaften. Die deutschen Teams wollen sich in Obertilliach (Frauen) und Ridnaun (Männer) den letzten olympischen Schliff holen. Die Wettkampfstrecken haben sie bereits im vergangenen Jahr getestet. "Die Loipen sind rhythmisch zu laufen, aber deswegen nicht leicht. Wer sich anfangs der Runden zu sehr verausgabt, bezahlt das am Ende bitter", sagte Ricco Groß. Mit insgesamt sieben Plaketten ist er der erfolgreichste Medaillensammler seit Biathlon 1960 ins Olympia-Programm aufgenommen wurde. Björndalen schaffte mit fünf die meisten Siege. Vor vier Jahren gewann er alle drei Einzelstrecken und führte auch die norwegische Staffel zum Erfolg.

Während das Stadiongebäude in San Sicario das perfekteste der Welt ist, müssen die Organisatoren bis zum ersten Rennen am 11. Februar noch einiges verändern. So gab es Probleme mit den Schneekanonen, weil eine Wasserleitung geplatzt war. Bei der letzten Inspektion während der italienischen Meisterschaften kurz vor Weihnachten stellte Norbert Baier, der Technische Delegierte der IBU für Olympia und Architekt der Strecken, fest, dass der Staffel-Wechselraum nur 26 statt der vorgeschriebenen 30 Meter lang war. Außerdem stimmten die Aufbauten in Stadion nicht mit den Plänen überein. "Da gibt's noch Arbeit. Gestartet wird nur, wenn alles perfekt stimmt", sagte Baier.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%