Biathlon WM
15-km-Frauenrennen um einen Tag verschoben

Das 15-km-Frauenrennen der Biathlon-WM im schwedischen Östersund ist wegen heftigen Windes auf Donnerstag verschoben worden. Bundestrainer Uwe Müssiggang lobte die Entscheidung.

Als Renndirektor Franz Berger exakt um 16.07 Uhr zum Zeichen der Absage die Arme vor der Brust kreuzte, wackelte er im Sturmwind von Östersund fast genauso wie hinter ihm die Fahnenmasten am Schießstand. "Die Bedingungen sind zu schlecht", brüllte der Österreicher in Richtung der wartenden Trainer. Das 15-km-Frauenrennen der Biathlon-WM wurde um einen Tag verschoben und soll nun am Donnerstag (14.05 Uhr/live im ZDF und bei Eurosport) drei Stunden vor dem 20-km-Lauf der Männer stattfinden.

"Eine absolut korrekte Entscheidung. Fairplay muss bei einer Weltmeisterschaft im Mittelpunkt stehen", sagte Uwe Müssiggang. Der deutsche Bundestrainer zählte neben den Coaches aus Weißrussland und Kanada sowie einem Vertreter des Veranstalters zur vom US-Amerikaner Max Cobb geleiteten Jury. Die diskutierte vor surrenden Kameras eine Viertelstunde heftig, ehe die Absage mit 4:1 Stimmen beschlossen war. Der damit unzufriedene Veranstalter musste Tausende Zuschauer nach Hause schicken und ihnen für die Neuansetzung freien Eintritt versprechen.

"Gut entschieden", fand Doppelweltmeisterin Andrea Henkel, die das Skitesten im Sturm umgehend aufgab. "Die Leistung sollte über den Weltmeister entscheiden und nicht der Sturm. Außerdem gefällt mir die Startzeit am frühen Nachmittag viel besser. Da muss ich nicht den ganzen Tag irgendwie rumbringen."

Auch Glagow und Wilhelm mit der Entscheidung einverstanden

Ähnlich äußerten sich auch die beiden anderen deutschen Mitfavoritinnen Martina Glagow ("Heute hätte der Zufall entschieden") und Kati Wilhelm ("Endlich hat man einmal ein Rennen nicht auf Biegen und Brechen durchgezogen"). Tagsüber waren am WM-Ort bei Windspitzen um 100 Kilometer pro Stunde massenhaft Äste auf die Rennstrecke niedergeprasselt. Sogar ein inszenierter gemeinsamer Langlauf von Schwedens König Carl Gustaf mit seinem Auswahltrainer Wolfgang Pichler wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Am Ende führte Renndirektor Berger neben dem Fairplay deshalb auch zurecht Sicherheitsgründe für die Absage ins Feld. Zwar sei das Holz von der Strecke abgesammelt worden, aber niemand könne garantieren, ob die Zäune und die Werbebanden standhielten. Zudem seien am Schießstand die Gestelle für die Reservewaffen ständig umgefallen. Für Donnerstag sei zudem zwar erneut Wind, aber kein Sturm vorhergesagt.

Problematische Winde haben Tradition

Die Handwerker, die am ZDF-Studio in luftiger Höhe verzweifelt versuchten, eine demolierte Glasscheibe auszuwechseln, konnten sich fortan Zeit lassen. Die Mitarbeiter der für die Werbung zuständigen Firma APF sammelten ihre weggeflatterten Banner ein.

Zum letzten Mal in der Geschichte von großen Biathlon-Rennen war 1998 in Nagano ein Wettbewerb wegen Sturms abgebrochen worden. Damals wehten orkanartige Böen in unregelmäßigen Abständen Schnee in den olympischen Schießstand von Nozawa Onsen. Manche Athleten mussten sekundenlang warten, bis sie ihre Schießziele wieder sehen konnten.

Der letzte Abbruch eines WM-Rennens liegt vier Jahre zurück. In Oberhof wurde der 20-km-Lauf der Männer wegen zu starken Nebels um einen Tag verschoben. Die WM-Staffel 2000 in Oslo wurde beim letzten Läufer (Ricco Groß führte mit Minutenvorsprung) wegen Nebels abgebrochen. Und 1999 fielen gleich die ersten sechs WM-Wettbewerbe in Kontiolahti wegen Temperaturen von bis zu 30 Grad unter dem Gefrierpunkt aus.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%