Biathlon WM
Auftakt der Biathlon-WM droht auszufallen

Der für Samstag geplante Auftakt der Biathlon-WM in Südkorea droht aufgrund hoher Temperaturen und strömenden Regens auszufallen. Ob gestartet wird, entscheidet sich kurzfristig.

Elf Grad plus, Dauerregen und Sturm: die Biathlon-WM droht wegzuschwimmen. Am Freitag, dem 13., fielen in Pyeongchang zuerst TV-Kameras und Werbebanden um, dann verwandelte sich die Laufstrecke in einen See. Training und als Novum sogar die Eröffnungsfeier wurden abgesagt. Erst eine Jury-Krisensitzung acht Stunden vor dem Rennen soll entscheiden, ob die WM am Samstag (8. 45 Uhr/MEZ) tatsächlich wie vorgesehen mit dem 7,5-km-Sprint der Frauen beginnt.

20 Zentimeter Schneehöhe in 24 Stunden verloren

"Wir haben in den letzten 24 Stunden 20 Zentimeter Schneehöhe auf der Strecke verloren. Unglaublich, das hätte ich nicht für möglich gehalten", schilderte Norbert Baier die "äußerst kritische Lage". Der als Technischer Delegierter des Weltverbandes verantwortliche ehemalige deutsche Bundestrainer kündigte eine Nachtschicht der koreanischen Helfer an und setzte seine ganze Hoffnung auf ein letztes angeblich 3 000 Kubikmeter starkes Schneedepot und den für die nächsten Tage angekündigten Temperatursturz.

Baier kritisierte auch die Organisatoren, die sich eigentlich mit einer erfolgreichen Biathlon-WM für die Olympischen Spiele 2018 empfehlen wollen und extra acht Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf ihre Einladungsliste gesetzt haben. "Da ist nicht nur der Schnee als Problem. Es dauert einfach zu lange, bis etwas passiert. Da gibt es Verständigungprobleme. Die haben keine Fachleute für das Vorgehen bei solchem Wetter. Das ist der große Haken, der uns in diese Situation getrieben hat."

Die Kritik der Mannschaften dagegen richtete sich vorrangig gegen den Weltverband IBU und dessen Renndirektor Franz Berger. Der Österreicher war gemeinsam mit Baier erst eine Woche vor WM-Beginn angereist und hatte sich bis dahin nur auf Grundlage der am 19. Januar bei ihm eingetroffenen koreanischen Hochglanz-Fotos ein Bild von der Lage verschafft.

"Ein Unding", meinte Schwedens deutscher Trainer Wolfgang Pichler als Sprecher von Verantwortlichen aus 25 Nationen nach einer Sondersitzung: "Mindestens 30 Tage und 20 Tage vor der WM hätten zwei Inspektionen stattfinden müssen, die Koreaner haben doch keine Ahnung. Wir Trainer sind mit der WM-Vorbereitung der IBU nicht einverstanden. Jetzt muss sich radikal etwas ändern. Prinzipiell muss man fragen, ob es richtig war, die WM hierhin zu vergeben."

Selbst die Hoffnung auf Dauerfrost in den nächsten Tagen ist trügerisch, denn dann würden sich die ohnehin schwierigen Pisten in regelrechte Eisbahnen verwandeln. Schon an den bisherigen Trainingstagen waren einige schlimme Stürze mit erheblichen Blessuren und gebrochenen Waffen-Schäften zu verzeichen. Ein Skistock-Ausrüster soll wegen zahlreicher Bruchstücke bereits Nachschub geordert haben.

IBU-Präsident Anders Besseberg verwies auf die Wetter-Kapriolen bei der aktuellen alpinen WM und darauf, dass man gegen die aktuellen Unbilden der Natur nur begrenzte Macht habe. In der Verbandsführung wurde derweil ein erstes Krisen-Szenario als sogenannter Plan B entwickelt.

Immerhin hat die WM mit zwei Ruhetagen (Montag und Freitag) Spielraum, bei Absagen zum Auftakt würde man versuchen, das Programm zu verschieben. Diskutiert wurde auch bereits, ausgefallene WM-Entscheidungen bei einem der März-Weltcups (wahrscheinlich in Trondheim) nachzuholen. Zuletzt waren 1999 in Kontiolahti/Finnland nahezu alle WM-Rennen ausgefallen. Damals allerdings wegen zu großer Kälte bis minus 30 Grad.

© SID

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