Boxen
Champions raufen sich zusammen

In der Box-Serie „Super Six“ wollen sechs erstklassige Supermittelgewichtler unter sich ausmachen, wer der beste Boxer ihrer Gewichtsklasse ist. Das neue Turnierformat könnte die langweiligen "Promoter-Kämpfe" langfristig ablösen. Marketingexperten sind begeistert.
  • 0

KÖLN. Vier Verbände, vier Weltmeister – im internationalen Profiboxen herrscht das Durcheinander. Nicht nur wegen der Vielzahl an Titeln können sich die Besten im Ring aus dem Weg gehen. Auch weil wenige Boxställe untereinander ausmachen, wer gegen wen kämpft, bleibt die Spannung oft auf der Strecke. Nun schickt sich Boxpromoter Kalle Sauerland an, für klare Verhältnisse zu sorgen.

Die Idee kam ihm im Mai auf der Fernsehcouch. „Ich schaute mir mit meiner Frau einen Film an. Sie stellte mir all diese Fragen über die Ansetzung der Boxkämpfe, über die verschiedenen Titel“, sagt er. „Da habe ich mich gefragt, wie wir verbandsübergreifend den besten Boxer einer Gewichtsklasse ermitteln können. Mir wurde klar: Es musste ein Turnier geben.“

Sauerland machte sich ans Werk. Er traf sich mit Ken Hershman, dem für Sportübertragungen zuständigen Geschäftsführer des amerikanischen Bezahl-Senders Showtime. Sie entwarfen ein Turnierkonzept mit sechs Supermittelgewichtlern mit Gruppenphase, Halbfinale und Finale. „Super Six“ heißt das Format. Für Sauerland ist es ein großer Erfolg: Erstmals gelang es damit einem deutschen Boxstall, einen langfristigen Vertrag mit einem US-Sender abzuschließen. In Deutschland läuft das Turnier in der ARD.

Mit dem Deutschen Arthur Abraham, dem Briten Carl Froch und dem Dänen Mikkel Kessler nehmen drei renommierte Boxer aus Europa teil. Sie ermitteln im Wettkampf mit den Amerikanern Andre Ward, Andre Dirrell und Jermain Taylor in den nächsten eineinhalb Jahren den Turniersieger. Für die Boxer geht es um einen Jackpot von bis zu 50 Mio. Dollar. Fehlen werden die Weltmeister der Verbände IBF und WBO: Lucian Bute aus Rumänien und Karoly Balzsay aus Ungarn.

An Samstag startet der erste Kampf zwischen Abraham und Taylor in der Berliner O2 World. Der Betreiber, die Anschutz Entertainment Group, erwartet eine ausverkaufte Halle. Europachef Detlef Kornett hofft auf einen Sieg des Lokalmatadors: „Wenn Abraham gewinnt, bin ich sicher, dass er das nächsten Mal wieder in Berlin kämpfen wird.“ Er hält das Turnier für richtungweisend: „Das Format ist für den Fan einfach zu verstehen. Die besten Boxer treten gegeneinander an, und es gibt einen klaren Gewinner.“

Das Profiboxen geht neue Wege – und das aus gutem Grund: „Die Zersplitterung in vier Verbände ist für den Sport eine Katastrophe. Das wertet die einzelnen Weltmeister ab“, sagt Christian von Thaden, Sportmarketingexperte bei BBDO Consulting in Düsseldorf. „Jedes Format, das Transparenz und Glaubwürdigkeit schafft, ist daher gut für den Boxsport.“

Einer Ausweitung auf andere Gewichtsklassen steht jedoch ein großes Hindernis im Wege – die Machtverteilung im Profiboxen. „Ein Problem ist die Tatsache, dass eine überschaubare Anzahl an Boxställen existiert und diese den Markt dominieren“, sagt Jörg Hagenah, Geschäftsführer des Medienwissenschaftlichen Lehr- und Forschungszentrums an der Kölner Universität. „Oftmals haben die Boxställe bestimmten TV-Sendern die Exklusivrechte verkauft, so dass die sich sportlich aufdrängenden Vereinigungskämpfe nicht zustande kommen.“

Kritiker monieren zudem, dass die Boxställe ihre Aushängeschilder gegen zweitklassige Gegner antreten lassen. Die Szene bezeichnet solche Boxer als „Fallobst“, ihre Niederlage stehe schon vor dem Kampf fest. Die Promoter minimieren dabei das Risiko, dass ihre Schützlinge imageträchtige Titel verlieren. Zugleich polieren sie so ungefährdet die Statistik auf. In der Branche hängt die Gage maßgeblich davon ab, wie lange ein Boxer unbesiegt geblieben ist.

Seite 1:

Champions raufen sich zusammen

Seite 2:

Kommentare zu " Boxen: Champions raufen sich zusammen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%