Boxen EM
Ulrich ist seinen EM-Gürtel los

Profiboxer Thomas Ulrich muss seine Hoffnungen auf die dritte WM-Chance seiner Karriere vorerst begraben. Der 32-Jährige verlor seinen EM-Gürtel an den Ukrainer Juri Baraschjan.

Abstellgleis statt WM-Chance - wehrlos auf die Knie gesackt erlebte Profiboxer Thomas Ulrich zum wiederholten Mal einen Karriere-Knick. Nach dem vierten schweren Niederschlag per Leberhaken hatte der Berliner nach 58 Sekunden der achten Runde genug von Juri Baraschjans Schlaghagel. Schwer verprügelt und ausgezählt gab Ulrich seinen Europameistergürtel im Halbschwergewicht an den Ukrainer ab und steht nun vor dem vorzeitigen Ende seiner Laufbahn.

"Wir müssen jetzt reden und überlegen, wie es weitergeht", richtete der 32 Jahre alte Ulrich nach seiner vierten Niederlage im 35. Profikampf aus, ehe er sich in ein Krankenhaus von Halle/Saale absetzte.

"Ein Boxer, der ein bisschen Stolz hat, wird so nicht abtreten", ergänzte Ralf Rocchigiani. Der Ex-Weltmeister fand am Ende, dass sein Einstand als Ulrich-Trainer "so richtig in die Hose gegangen ist". Wenigstens im medizinischen Bereich konnte der Coach am Morgen nach dem Debakel Entwarnung geben: "Thomas ist zurück, im Krankenhaus ist nix Dramatisches behandelt worden."

Ulrich boxerisch überfordert

In der proppevollen Brandberge-Halle litten 3 500 Zuschauer laut stöhnend mit, wenn Ulrich die blitzschnellen linken Haken seines Kontrahenten frontal mit dem Gesicht statt mit den Handschuhen abwehrte. Bereits am Ende der fünften Runde rettete nur der Rundengong den boxerisch in dieser Phase überforderten Europameister vor dem K.o.

Ulrich wankte in seine Ecke und musste sich vom ansonsten sehr besonnen agierenden Rocchigiani anbrüllen lassen: "Du keilst ja wie ein Kesselflicker. Fang endlich an zu boxen und sei nicht so leichtsinnig." Das schien zu fruchten, denn plötzlich übernahm der Titelverteidiger das Kommando und beeindruckte Baraschjan mit Schlagserien zum Kopf, gewann klar die sechste Runde und schien wie bereits in früheren Gefechten mit Kampfgeist das Blatt noch wenden zu können.

Dann aber begann der Ukrainer Ulrichs rechte Rippen zu bearbeiten, schickte mit schmerzhaften Treffern den Rivalen in Runde sieben dreimal und wenig später entscheidend zu Boden. "Da hatte er meine Schwachstelle gefunden. In der Vorbereitung gab es bei mir ein Rippenproblem. Da hat er immer wieder drauf gehauen. Und wenn die Luft weg ist, ist sie weg. Es tut mir leid, aber es war nix mehr möglich", schilderte Ulrich die Entscheidung aus seiner Sicht.

Brähmer sorgt für Trauerspiel

"Thomas hatte sich beim letzten Sparring eine Rippenprellung zugezogen. Wir wollten den Kampf nicht schon wieder absagen, deshalb ist er angetreten", erklärte Rocchigiani, der erst vor vier Monaten das Trainer-Amt bei Ulrich von Torsten Schmitz übernommen hatte. Im November 2007 hatte der Ex-Europameister eine Pflichtverteidigung wegen einer Handverletzung abgesagt.

Für ein wahres Trauerspiel sorgte schon vor Ulrichs Pleite in Halle Supermittelgewichtler Jürgen Brähmer. Der Schweriner sagte nach einem kurzfristigen Wechsel des Gegners seinen Kampf "aus persönlichen Gründen" ab und ging gemeinsam mit Trainer Michael Timm auf Tauchstation. Ob der als Hauptkämpfer in Halle vorgesehene Brähmer und Ulrich demnächst wieder die Chance auf einen großen TV-Auftritt erhalten, ist ungewiss.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%