Boxen International
Beyer boxt in der "Höhle des Löwen"

Wenn WBC-Weltmeister Markus Beyer heute in Kopenhagen gegen Mikkel Kessler kämpfen muss, geht es um alles oder nichts. Entweder holt sich Beyer den WBA-Titel im Supermittelgewicht, oder seine Karriere steht vor dem Aus.

Auf Markus Beyer wartet heute (23.10 Uhr/live in der ARD) eine schwere Aufgabe. Denn der WBC-Weltmeister wagt sich in die Höhle des Löwen, um Mikkel Kessler den WBC-Titel abzunehmen. Entweder wird das der größte Triumph seiner Karriere - oder es bedeutet das Ende. Der Vereinigungsfight im Supermittelgewicht vor mehr als 25 000 Zuschauern im Parken-Stadion in Kopenhagen könnte der Höhepunkt des Boxjahres 2006 werden.

Hier der 35 Jahre alte Deutsche, im Herbst der Karriere auf der Suche nach der oft vermissten Anerkennung, dort der neun Jahre jüngere Däne, in 37 Kämpfen stets siegreich. "Das ist ein Riesending", sagt Beyer: "Es steht viel auf dem Spiel, für beide."

Seit sieben Jahren trägt der Wahl-Bremer mit einer halbjährigen Unterbrechung 2004 seinen WM-Gürtel. Er war bis zur Einbürgerung von Arthur Abraham im September der einzige amtierende deutsche Weltmeister, aber zum unumstrittenen Topstar hat es der gebürtige Sachse aus Erlabrunn dennoch nie gebracht. Erstmals kassiert er in seiner zehnjährigen Profikarriere nun in Kopenhagen mehr als eine Million Euro.

Kessler mit Heimvorteil

Geld, das ihm sein Manager Wilfried Sauerland nicht bieten konnte. Im freien deutschen Fernsehen war der Topfight gegen Kessler nicht zu finanzieren, denn auch der Däne boxt nicht gratis. Aber im dänischen Pay-TV scheint es zu gehen, also muss Beyer nach Kopenhagen. "Das ist für Kessler schon ein gewaltiger Vorteil", sagt Beyer: "Die Punktrichter werden nicht unbedingt auf meiner Seite sein. Am besten wäre, ich würde Kessler K.o. schlagen". Doch der zehn Zentimeter größere Däne war in all seinen Fights noch nie am Boden. 28-mal gewann er vorzeitig. Kessler gilt neben dem Waliser Joe Calzaghe als der aktuelle Topstar in der Klasse, Beyer eher als Auslaufmodell. So kommt es jedenfalls wohl bei Beyer selbst an, der seinem Manager Sauerland vorwirft: "Man lässt mich intern spüren, dass ich nicht mehr so wichtig bin."

Sein Manager habe den Kampf nicht wirklich nach Deutschland holen wollen, kritisierte Beyer. Auch dass der Fight gegen seinen Wunschgegner Calzaghe nicht klappte, wirft er Sauerland vor, und schließlich hat er noch Angst um sein Geld, weil beim dänischen Veranstalter die Steuerprüfung auf der Matte steht.

Stiller Champion genervt über Kollegen

Dabei ist seine Gage per Bankbürgschaft abgesichert. Noch mehr nerven ihn wohl auch die hochgejazzten Comebacks der Altstars Axel Schulz und Henry Maske: "Wenn da wirklich drei Mill. im Spiel sein sollten, muss ich mich fragen, was ich falsch gemacht habe." Natürlich haben außerdem zuletzt Abraham mit seinem doppelten Kieferbruch und Nikolai Walujew im Fokus gestanden und nicht der eher stille Champion, dessen Karriere neben sportlichen Highlights auch immer wieder von Rückschlägen begleitet war. "Wir haben auch in schweren Zeiten immer zu Markus gestanden, das hat sich bis heute nicht geändert", versichert Sauerland.

Bis Ende 2007 steht Beyer noch bei ihm unter Vertrag. Doch ob er den auch erfüllt, ist völlig unklar. Bei einer Niederlage gegen Kessler scheint der Abschied wahrscheinlich. "Es kommen häufiger die Tage, an denen ich sage, es muss nicht mehr sein", sagt Beyer: "Ich bin in einem Alter, in dem man von Kampf zu Kampf denkt." Das Leben danach jedenfalls ist vorbereitet. Mit Freundin Danii hat er eine Betreuungsfirma für Sportler und Künstler gegründet. Noch aber steht der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund. Die Vorbereitung in Zinnowitz mit Trainer Ulli Wegner war hart, ist aber problemlos gelaufen. Beyer fühlt sich topfit. "Mein Wissen über Kessler ist recht gut", sagt Beyer: "Und sollte Plan A nicht aufgehen, gibt es immer noch Plan B und vielleicht auch C."

© SID

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