Boxen International
Ex-Weltmeister Trevor Berbick ermordet

Trevor Berbick ist am Samstag in seinem Heimatort Norwich auf Jamaika ermordet worden. Der Ex-Weltmeister bestritt Kämpfe gegen die Heroen des Boxsport und besiegte sogar Muhammad Ali.

Trevor Berbick war immer Teil der großen Ereignisse in der Box-Geschichte. 1981 beendete der Jamaikaner die Karriere von Muhammad Ali, 1986 verlor Berbick gegen Mike Tyson, der danach zum großen Star aufstieg. Am Samstag fiel der Ex-Weltmeister in seinem Heimatort Norwich auf Jamaika einem Mordanschlag zum Opfer. Er starb an einer klaffenden Kopfwunde, die ihm laut Auskunft der Gerichtsmedizin mit einer Axt oder einer Machete zugefügt wurde.

52 Jahre alt ist er geworden oder vielleicht auch 51, manche Quellen sagen 56, andere 49. Ein genau dokumentiertes Geburtsdatum gibt es nicht. "Ich habe kein Alter", sagte er einmal: "Vor dem Gesetz bin ich ein Geist." Auf dem Gelände einer Kirche in seiner Geburtsstadt Norwich etwa 90 Kilometer östlich der Inselhauptstadt Kingston wurde er am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr aufgefunden. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Berbick: "Ich wurde unter Drogen gesetzt"

Ein tragisches Ende eines Lebens, in dem insgesamt wenig gut ging. Sein Sieg gegen sein Idol Ali war traurig, weil der "Größte" bereits gezeichnet war von seiner Krankheit. Seine Niederlage gegen Tyson hat Berbick stets als Komplott begriffen, weil der junge New Yorker zur großen Attraktion aufgebaut werden sollte. "Ich habe immer noch Alpträume wegen dieses Kampfes", sagte Berbick erst vor zwei Wochen dem Jamaica Gleamer: "Ich sollte verlieren und wurde deshalb von Ärzten unter Drogen gesetzt."

Die Polizei hat am Samstag bereits einen Verdächtigen festgenommen und verhört. Ein Motiv oder nähere Umstände des gewaltsames Todes wurden aber noch nicht bekannt. Der Küstenort Norwich gilt auf Jamaika als friedlich, allerdings hat die Karibikinsel insgesamt große Probleme mit weit verbreiteter Elendskriminalität und Drogenhandel.

Auch Berbick geriet oft genug mit der Justiz in Konflikt. "Wir alle haben in unserem Leben mit Herausforderungen zu tun", sagte der ehemalige Präsident des Boxverbandes von Jamaika, C. Lloyd Allen: "Trevor ging mit seinen sehr schlecht um. Nach der Niederlage gegen Tyson rutschte er ab."

Berbick besitzt langen Strafenkatalog

1991 bedrohte Berbick seine ehemalige Managerin mit einer Waffe. 1992 wurde er wegen sexueller Übergriffe gegen eine Babysitterin in seinem damaligen Wohnort in Florida zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 15 Monate absaß. 1992 kam auch noch eine Verurteilung wegen schweren Betruges dazu. 2003 wurde er schließlich aus den USA ausgewiesen und lebte seitdem wieder auf seiner Heimatinsel.

Als Profi kletterte Berbick für Kanada in den Ring, dessen Staatsbürgerschaft er nach den Olympischen Spielen 1976 in Montreal angenommen hatte. Seine erste WM-Chance bekam er 1981, verlor aber gegen Larry Holmes. Im März 1986 gewann er mit einem Außenseitersieg über Champion Pinklon Thomas die WBC-Krone, die er im November durch die spektakuläre K.o.-Niederlage gegen Tyson wieder verlor.

Berbick plante "Opa-Fight" und biografischen Kinofilm

Bis 2000 war Berbick noch aktiv, dann wurde ihm die Box-Lizenz wegen eines Blutklümpchens im Gehirn entzogen. 50 Siege, elf Niederlagen und ein Unentschieden stehen in seinem Rekordbuch. Zuletzt plante er einen "Opa-Fight" gegen George Foreman und verhandelte mit Drehbuchautoren, um sein Leben verfilmen zu lassen. "Ich weiß, dass ich eine Geschichte zu erzählen habe", sagte Berbick: "Irgendwann wird jemand daran interessiert sein."

© SID

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