Boxen WM
Halmich boxt sich in Fan-Herzen zurück

Regina Halmich hat es geschafft: Nach dem erfolgreichen Re-Match gegen die US-Amerikanerin Elena Reid durfte sich die Box-Weltmeisterin in Magdeburg wieder von ihren zuvor äußerst kritischen Fans feiern lassen.

Die Scharte war ausgewetzt, Regina Halmich überglücklich. Die Emotionen schlugen wieder hoch nach einer blutigen Ringschlacht, in der sich die 29 Jahre alte Karlsruherin in Magdeburg knapp mit einem 3:0-Punktsieg (96:94, 96:94 und 97:93) gegen Elena Reid (USA) durchgesetzt und damit ihren WM-Titel im Fliegengewicht verteidigt hat. "Der Druck ist riesig, wenn die Leute an einem zweifeln und nicht mehr an einen glauben", bekannte Halmich, "entscheidend war aber, dass ich immer an mich selbst geglaubt habe."

Ihr Promoter Klaus-Peter Kohl wollte den Kampf nicht noch einmal machen. Zu gefährlich schien ihm die 24 Jahre alte US-Amerikanerin, die im ersten Kampf gegen Halmich am 11. September 2004 von den Ringrichtern um den verdienten Sieg gebracht wurde. Halmich aber wollte diese Episode unbedingt vergessen machen, den einzigen Makel in ihrer Karriere beseitigen. Dafür ist sie das Risiko einer Niederlage und des möglichen Karriereendes eingegangen. "Ich bin überzeugt, dass es für den Boxsport wichtig war, dass wir das Re-Match gemacht haben", sagte sie, "mir haben die Pfiffe nach dem ersten Kampf sehr wehgetan, um so mehr genieße ich es jetzt, dass die Fans mich wieder feiern."

Amerikaner fühle sich erneut betrogen

Es war der erwartet schwere Fight gegen "Baby Doll" aus Las Vegas, die mit einem strahlenden Siegerlächeln in den Ring gestiegen war, den Lippenstift passend zum pinken Kampfoutfit. Die ehemalige Kickboxerin sieht aus wie ein Püppchen, wird aber im Ring zum "Tier". In der neunten Runde erlitt sie nach einem Zusammenprall mit den Köpfen einen tiefen Cut über der linken Augenbraue, kämpfte aber blutverschmiert weiter. Reid hatte die härteren Treffer im Ziel, musste aber mehr Schläge einstecken. Die Defensivtaktik von Trainer Torsten Schmitz war aufgegangen. "Regina lernt immer noch dazu, hat die Aufgabe mit Bravour bestanden und mit ihrer Führhand schönes Boxen gezeigt", sagte der Schweriner.

Ganz anders beurteilte die Verliererin den Kampf: "Ich bin aus tiefstem Herzen überzeb>ugt, dass ich gewonnen habe", sagte Elena Reid, "mit diesen Urteilen ist es wie mit einem Horrorfilm: Wenn du ihn das erste Mal siehst, bis zu geschockt, beim zweitenmal gewöhnt man sich daran." Ihr Trainer und Lebensgefährte Chris Ben sah sich ebenfalls erneut betrogen. "Was habt ihr den Punktrichtern gezahlt? ", fragte er, "es kann doch nicht wahr sein, dass so etwas in Deutschland schon wieder passiert." Manager Arnie Rosenthal schlug deshalb auch gleich vor: "Regina soll nach Amerika kommen und da machen wir dann Kampf drei."

Erneutes Re-Match unwahrscheinlich

Aber das wird es auf keinen Fall geben. "Warum soll ich in die USA gehen, wenn ich hier mehr Geld verdiene?", meint die Weltmeisterin, "in Deutschland habe ich mit dem ZDF einen attraktiven Fernsehsender." Und eine treue Fangemeinde, die immer wieder bei ihren Kämpfen einschaltet. Durchschnittlich 6,49 Mill. saßen am Samstag vor den Schirmen, in der Spitze gar 7,75 Millionen. Damit hat Regina Halmich in diesem Jahr bei vier WM-Kämpfen knapp 28 Mill. Zuschauer gehabt, mehr als jeder andere Boxer.

Von einem Rücktritt redet sie deshalb auch noch nicht, auch wenn sie nur "von Kampf zu Kampf" denkt und schon mal angekündigt hatte, dass "mit 30 Schluss ist". Sie hat zahlreiche Werbeverträge und plant bereits eine neue Laufbahn bei Film und/oder Fernsehen. Kohl braucht sie aber als Boxerin, das ZDF auch. Im April oder Mai soll sie also wieder kämpfen. Denn die Mönchengladbacherin Ina Menzer ist noch nicht soweit, die Nachfolge von Halmich anzutreten, wird aber entsprechend aufgebaut. Die 24 Jahre alte Federgewichtsweltmeisterin verteidigte ihren Titel im Federgewicht gegen die überforderte Bulgarin Galina Gumliska. Auch dieses Missmatch gab es im TV zu sehen.

© SID

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