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Delitzsch startet ins "Abenteuer Bundesliga"

Das Budget ist bescheiden, die Erfahrung gering. Dennoch will Concordia Delitzsch nach dem Aufstieg ins Handball-Oberhaus versuchen, sich mit bewährtem "Powerhandball" möglichst gut zu verkaufen.

Das Handball-Team von Concordia Delitzsch will nach dem überraschenden Aufstieg in die Bundesliga seine Erfolgsgeschichte fortsetzen und auch in der kommenden Saison Aufsehen erregen. Angesichts eines bescheidenen Budgets von 1,5 Mill. Euro und wenig Bundesliga-Erfahrung in Reihen des Kaders ein schier hoffnungsloses Unterfangen. Doch die Sachsen nehmen ihre Außenseiterrolle an und versuchen über Werte wie Herz und Teamgeist erfolgreich zu sein. Das außergewöhnliche Trainingsprogramm mit Kanufahren, Zelten, gemeinsamem Kochen und Übungseinheiten in der Bundeswehr-Kaserne spricht für sich.

"Erst hat uns niemand den Aufstieg zugetraut, jetzt traut uns niemand den Klassenerhalt zu. Aber wir wollen allen zeigen, wie Powerhandball mit Herz funktioniert", sagt Uwe "Asterix" Jungandreas. Der Trainer schwört seine Außenseiter-Truppe auf das "Wunder von Leipzig" ein. Dank des Umzugs in die 5 500 Zuschauer fassende Arena in der Stadt mit der riesigen Handballtradition konnte das Kleinstadtteam immerhin den Etat gegenüber der Zweiten Liga fast verdoppeln - falls die erhofften 3 000 Fans im Schnitt kommen.

Die großen Bundesliga-Vereine wie Meister THW Kiel haben mehr als das Dreifache zur Verfügung. "Wir geben kein Geld aus, das wir nicht haben", sagt Concordia-Präsident Volker "Obelix" Schmidt knallhart. Eine sehr löbliche Ausnahme in einer Liga, in der Schulden und Lizenzverweigerungen für Traditionsklubs wie Tusem Essen fast schon zur Tagesordnung gehören. Schmidt kündigte an, "dass es definitiv kein Geld für weitere Spielerverpflichtungen geben wird".

Drei Abgängen stehen drei Neuverpflichtungen gegenüber

So stehen den Abgängen von Nationalspieler und Torschützenkönig Lars Kaufmann (HSG Wetzlar), der Stimmungskanone Silvio Heinevetter (SC Magdeburg) und Espen Hanssen (Haslum HK) drei Zugänge gegenüber: Andrej Kurtschew (Thsv Eisenach), der litauische Nationaltorwart Arunas Vaskevicius und der polnische Rückraumspieler Michal Nowak (beide Österreich).

Vier Spieler können erst nach Feierabend beim Landratsamt Delitzsch mit der Mannschaft trainieren - ein Novum in der Profi-Bundesliga. Da hilft ab der Heim-Premiere ab 4. September gegen TuS Nettelstedt-Lübbeke wirklich nur noch die legendäre Schlauheit der Gallier im Kampf gegen Rom. "Wir sind keine Handball-Virtuosen, und deshalb haben wir zwei Wochen eher mit dem Training angefangen, um der Konkurrenz zumindest körperlich überlegen zu sein. Tja, und dann hoffen wir noch auf die Euphorie unserer Zuschauer", sagt Jungandreas. Er hat gerade einen Dreijahresvertrag unterschrieben, der auch im Abstiegsfall gilt.

"Wir sind sehr entspannt, ein Abstieg wäre kein Drama."

Falls der aussichtslose Kampf tatsächlich verloren geht, wird der Bus-Shuttleservice aus dem beschaulichen Delitzsch zu den Bundesliga-Heimspielen nach Leipzig geräuschlos eingestellt. "Wir sind sehr entspannt, ein Abstieg wäre kein Drama. Dann gehen wir eben erhobenen Hauptes in die Zweite Liga", sagt Schmidt.

Insgeheim hofft der Klubchef, dass sein Team langfristig an die Erfolge der Leipziger Handballer anknüpfen kann. Der SC Dhfk und der SC Leipzig wurden insgesamt neunmal DDR-Meister, 1966 ging sogar der Europacup der Landesmeister in die Messestadt. Schmidt: "Bis dahin haben wir aber noch ein Stück Arbeit vor uns."

© SID

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