Den Dänen Michael Rasmussen hatte niemand auf der Rechnung
Rasmussen lehrt Skeptiker eines besseren

Vom Außenseiter zum ernstzunehmenden Gegner - den Dänen Michael Rasmussen hatte vor der Tour de France niemanden auf der Rechnung. Doch dann wies er Lance Armstrong in den Bergen zeitweise in die Schranken, Jan Ullrich muss gar um einen Platz auf dem Podium bangen, weil Rasmussen sich vor ihm tummelt.

HB Pau. Die Feindbilder ändern sich. Lance Armstrong war für Jan Ullrich bis zur ersten Alpenetappe nach Courchevel der Fixpunkt bei der 92. Tour de France. Jetzt heißt sein Hauptgegner Michael Rasmussen, wegen seiner dünnen Beine "chickenwing" genannt. Der Sprung auf die unterste Stufe des Siegerpodests, das von Ullrich realistisch noch erreichbare Maximum, wird vom Träger des Bergtrikots versperrt.

Ullrich trennen von dem spindeldürren Dänen, dessen schneeweißer Teint auch wochenlanger Sonnenbestrahlung widersteht, vor der 16. Etappe 2:49 Minuten: Auch für einen guten Zeitfahrer keine Kleinigkeit. "Das wird sehr schwer", blickt Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage der Aufholjagd auch eher skeptisch entgegen. "Rasmussen ist der große Aufsteiger dieser Tour", lobte Ullrich den Etappensieger von Mulhouse, der erst vor drei Jahren vom Mountainbike umsattelte.

Der Weltmeister dieser Disziplin von 1999 fährt seit zwei Jahren in Diensten des niederländischen Rabobank-Teams, in dem er nach dem Untergang des Russen Denis Menchow die Kapitänsrolle ausfüllen darf. Seine erste Profi-Station schlug er bei Bjarne Riis auf, kam mit seinem berühmten Landsmann und dessen Ansichten aber nicht zurecht. Vielleicht auch deshalb, weil er ein wenig als Sturkopf gilt und sich strikt weigerte, sich dem Spezialtraining für das Zeitfahren zu unterwerfen.

In seinem Heimatland löste der mit einer Mexikanerin verlobte Rassmussen neue Tour-Begeisterung aus. Nach dem Ruhetag stießen neue Journalisten aus Dänemark zur Frankreich-Rundfahrt, um alle Facetten des "Tour-Flohs" aus Töllöse (58 Kilogramm bei 1,75 Meter Körpergröße) auszuleuchten.

Sein Urteil über den mutmaßlichen Nachfolger Richard Virenques als Gewinner der Bergwertung hat Armstrong bereits gefällt. "Er fährt unintelligent", befand der Tour-Regent, der Rasmussen auf dem Galibier in den Alpen noch großzügig vorließ, damit er die Punkte für sein Trikot einheimsen konnte. Doch danach wollte sich der selbstbewusste Däne offensichtlich nicht einverleiben lassen in den "Armstrong-Club", in dem zum Beispiel Ivan Basso gut zurecht kommt und in Paris aller Wahrscheinlichkeit an erster Stelle unter dem Rekordsieger stehen wird.

"Ich werde am Donnerstag im Zentralmassiv versuchen, noch Sekunden auf Ullrich gutzumachen. Er ist im Zeitfahren sehr stark", sagte Rasmussen, der beim ersten Kampf gegen die Uhr auf die Atlantik-Insel Noirmoutier über 19 Kilometer gegen einen nach seinem Sturz schlecht aufgelegten Ullrich 2:06 Minuten verlor. Das Zeitfahren am vorletzten Tourtag in St. Etienne ist weitaus schwieriger, weist einige Steigungen auf und führt über 55,5 Kilometer.

"Jan muss schon ein ganz starkes Zeitfahren hinlegen, um das zu schaffen", warnte sein Team-Kollege Andreas Klöden, der im Vorjahr im finalen Kampf gegen die Uhr an Basso vorbei auf Platz zwei vorfuhr. "Auch Pantani ist in den Zeitfahren, in denen es für ihn um etwas ging und er ein Leader-Trikot trug, über sich hinausgewachsen", warnte Pevenage davor, das dänische Zeitfahr-Leichtgewicht etwa nicht für voll zu nehmen.

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