Der deutsche Galopprennsport steckt in der Krise
Investor aus Neuseeland soll Turfsport retten

Die Wett-Umsätze sind seit dem Jahr 2000 um rund die Hälfte gefallen, die Zahl der Veranstaltungen drastisch zurückgegangen: Der deutsche Galopprennsport steckt nicht erst seit gestern in der Krise. Hoffnung kommt von einem Investor aus Übersee.

HB KÖLN. Seit Monaten wurde darüber geredet, seit Monaten war klar, dass etwas passieren musste. Der deutsche Galopprennsport steckt ja nicht erst seit gestern in der Krise - seit 2000 sind die Wettumsätze um 50 Prozent gefallen, die Zahl der Veranstaltungen ist drastisch zurückgegangen, die der Rennpferde mit ihr, und traditionsreiche Bahnen stehen vor dem Aus. Seit Monaten arbeitete der in Köln ansässige Galopper-Dachverband daher an einer umfassenden Strukturreform und der Akquirierung neuer Finanzmittel.

Gestern wurden Ergebnisse präsentiert. Eine ausländische Investorengruppe soll den Turfsport zwischen Berlin-Hoppegarten und München-Riem von seinem Leid erlösen. "Im Zuge der beabsichtigten Zusammenarbeit wird ein Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro in den Ausbau des deutschen Galopprennsports investiert werden, um dessen Zukunft zu sichern", teilte der Dachverband mit. Dafür übernehmen die Investoren 49 Prozent der wirtschaftlichen Tochter des Dachverbands.

An der Spitze des Konsortiums soll der neuseeländische Unternehmer Berri Schröder mit seinem Online-Wettanbieter Race-O stehen. Schröder hat in Großbritannien den Markt aufgemischt, indem er 2005 das an das Lotterie-Prinzip angelehnte System "Superbet" einführte. Zocker setzen dabei auf die Sieger von acht Rennen am selben Tag - liegen sie in allen richtig, knacken sie den Jackpot. Eine derartige Trefferquote hat mehr mit Glück zu tun als mit Expertise - strategisch richtet sich Race-O damit vor allem an solche Wetter, die mit dem Pferdesport nicht unbedingt viel am Hut haben. Diese Zielgruppe will er offenbar nun auch in Deutschland gewinnen.

Angesichts der Krise ihrer Sports bleibt den Traditionalisten nichts anderes, als den neuen starken Mann im deutschen Galopp zu akzeptieren, auch wenn ihnen so manches an ihm nicht unbedingt gefallen dürfte. Als ein schottischer Wettprofi etwa im Mai 2007 gleich zweimal an einem Wochenende den Jackpot über eine Millionen Pfund knackte, vergingen Wochen, bis er seinen Gewinn ausgezahlt bekam. Gerüchte um Zahlungsunfähigkeit bei Race-O machten die Runde, zumal die Website später wegen Umstrukturierungen vorübergehend geschlossen wurde. Auch der Registrierungssitz von Race-O klingt nicht gerade vertrauenserweckend: Das kanadische Indianerreservat Kahnawake gilt als Eldorado für dubiose Glücksspielveranstaltungen.

In Deutschland soll die um den neuen Investor bereicherte wirtschaftliche Tochter des Dachverbandes künftig eine Schlüsselrolle im Galoppsport übernehmen. Neben der zentralen Bündelung von Veranstaltungs- und Vermarktungsfunktionen gehört dazu der Ausbau des Wettvertriebsnetzes. Ein erster Schritt zur Sicherstellung der Zukunft des Turfs soll die Sicherung des Winterprogramms sein. Die 30 Millionen Euro sollen dann ab 2009 fließen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%