Der große Lebenstraum der Brüder Klitschko
Gerüchte, Comebacks und Big Business

Am Samstag verteidigt Wladimir Klitschko den WM-Gürtel an der Stätte, wo er ihn vor knapp einem Jahr mit einem K.O. gegen Chris Byrd errungen hatte – in Mannheim. Der Kampf gegen Ray Austin ist für den Ukrainer mehr als nur eine Titelverteidigung. Er ist Teil des Versuchs, den boxerischen Ur-Traum der beiden Brüder wieder aufleben zu lassen.

KÖLN. Manches Gerücht spiegelt nur einen Wunsch wider. Dass Lennox Lewis noch einmal in den Ring zurückkehren möge, wünscht sich nicht nur ein Gutteil der Boxgemeinde, geradezu inständig hofft Vitali Klitschko darauf. Doch die jüngst von der „Daily Mail“ kolportierte Meldung, der einstige Schwergewichts-Boxweltmeister plane tatsächlich sein Comeback, erwies sich als eine der Enten, die gern über den englischen Zeitungsboulevard watscheln. „Da ist nichts dran“, dementierte der 41-Jährige Ex-Champ umgehend.

Schade. Es wäre die Chance gewesen, ein denkwürdiges Duell wieder aufleben zu lassen, das einst elektrisierte, ohne zu einem befriedigenden Abschluss gelangt zu sein. Lennox Lewis vs. Vitali Klitschko. Noch vor wenigen Monaten hätte sich das wie ein nostalgisches Wunschkonzert ausgenommen. Ganz abwegig scheint der Gedanke indes nicht mehr. Ende Januar erklärte zumindest Vitali Klitschko seinen Rücktritt vom Rücktritt. Die Demission liegt gut 15 Monate zurück. Eine Knieverletzung zwang den damaligen WBC-Weltmeister dazu, der den Titel 2004 errungen hatte. Sein größter Kampf aber war im Juni 2003 der gegen Lennox Lewis.

Der Brite gilt als letzter unumstrittener Weltmeister in der Königsklasse. Er dominierte das Schwergewicht von Mitte der Neunziger bis eben zu jenem Kampf gegen den Mann aus der Ukraine, inzwischen 35 Jahre alt, der als langjähriger Kämpfer im Hamburger Universum Boxstall so etwas wie ein „gefühlter“ Deutscher ist. Nur durch Abbruch aufgrund einer Verletzung verlor Klitschko damals gegen Lewis, gewann zugleich an Reputation, lag er doch nach der sechsten Runde auf allen Punktzetteln vorn und hatte unbändigen Siegeswillen gezeigt, sich vor allem vehement gegen den Abbruch gewehrt. „Die Wunde in der Seele" blieb, lange nachdem der tiefe Cut unter dem linken Auge vernarbt war, während Lewis bald nach dem blutigen Kampf in Los Angeles seinen Rücktritt erklärt hatte. Zum Leidwesen Vitali Klitschkos. „Da ist etwas unbeantwortet geblieben“, betonte der ältere der beiden Boxbrüder bei jeder Gelegenheit.

Dass Wladimir, fünf Jahre jünger als der robustere Vitali, nach zwischenzeitlichen schweren Niederlagen einen der vier begehrten Titel erringen konnte, den des Verbandes IBF, war tröstlich für die boxenden Werbe-Ikonen. Und ließ nach der doch überraschenden Comeback-Ankündigung den boxerischen Ur-Traum der beiden wieder aufleben. „Es ist unser großer sportlicher Lebenstraum, beide gleichzeitig Weltmeister zu sein“, so die smarten Brüder aus Kiew unisono.

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