sonstige Sportarten
Deutsche boxen im Schwergewicht am Sieg vorbei

Einzig Max Schmeling durfte sich bis dato mit dem Titel des Schwergewichtsweltmeisters im Boxen schmücken. Seine deutschen Landsmänner um Axel Schulz mussten allesamt Niederlagen im Kampf um die WM-Krone einstecken.

Die WM-Bilanz der deutschen Profiboxer im Schwergewicht lässt in jüngerer Vergangenheit zu wünschen übrig. Noch immer ist der große Max Schmeling der einzige deutsche "Champion aller Klassen" in der 123-jährigen Geschichte des modernen Profiboxens.

Doch auch der im Februar gestorbene Gentleman-Boxer hätte sich die Krone lieber auf eine andere Art geholt: Schmeling ging am 12. Juni 1930 in New York als der erste Schwergewichtler in die Historie ein, der am Boden liegend Weltmeister wurde. Gegner Jack Sharkey wurde nach einem Tiefschlag in der 4. Runde disqualifiziert. Mit dem Sieg über 15 Runden gegen Sharkeys US-Landsmann Young Stribling wetzte der Deutsche diese Scharte aber aus und verlor den Meistergürtel dann am 21. Juni 1932 gegen Sharkey äußerst umstritten über 15 Runden nach Punkten. Selbst einige amerikanische Experten sprachen danach von einem Fehlurteil.

Danach gab es für die Deutschen nichts mehr zu holen im höchsten Limit. Schmeling scheiterte gegen den braunen Bomber Joe Louis, dem er 1936 sensationell die erste Niederlage beigebracht hatte, am 22. Juni 1938 kläglich, als er nach zwei Niederschlägen in der ersten Runde aus dem WM-Kampf genommen wurde.

"Karl der Große" verpasst Chance gegen Ali

Erst 28 Jahre später durfte wieder ein Deutscher um die WM boxen. Der große Muhammad Ali gab Karl Mildenberger eine Chance, doch die konnte "Karl der Große" nicht nutzen. Der Ex-Europameister aus Kaiserslautern lieferte dem "Größten" vor 30 000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion aber einen beherzten Kampf, machte nach einer steifen linken Geraden von Ali zwar eine Rolle rückwärts, wurde aber im Stehen völlig entkräftet in der 12. Runde aus dem Kampf genommen. Immerhin steht "Milde" in den Geschichtsbüchern als der erste Rechtsausleger, der um den Titel aller Klassen boxte.

Schulz-Drama bewegt die Gemüter

Doch erst das Drama in drei Akten um Axel Schulz bewegte die Gemüter in Deutschland wie einst Schmeling. Der "weiche Riese" aus Frankfurt/Oder griff innerhalb von 14 Monaten gleich dreimal nach der Krone. Am 22. April 1995 lieferte Schulz dem ältesten Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten, "Big" George Foreman, einen beherzten Kampf - wurde durch die Punktrichter aber um den seiner und der öffentlichen Meinung nach verdienten Lohn gebracht.

Als Entschädigung bekam er einen weiteren WM-Chance gegen die scheinbar lösbare Aufgabe Francois Botha, vertreten durch Promoterkönig Don King. Der Kampf am 9. Dezember 1995 in Stuttgart war alles andere als denkwürdig, die Veranstaltung allerdings schon. Nachdem der "Weiße Büffel" Botha zum Punktsieger über einen schwachen Schulz erklärt worden war, ging alles im Chaos unter. Zuschauer prügelten sich, Magnum-Champagner-Flaschen flogen quer durch die Luft, und Henry Maske krabbelte nebst Ehefrau Deckung suchend unter die Stühle.

Botha war bekanntlich gedopt, Schulz bekam Chance Nummer drei und verlor auch diese nach Punkten gegen Michael Moorer im verregneten Dortmunder Westfalenstadion. Den bislang letzten Versuch hatte schließlich Willi Fischer. "De Ox" aus Frankfurt wurde allerdings von WBO-Weltmeister Herbie Hide am 26. September 1998 schwer vermöbelt und in der zweiten Runde aus dem Kampf genommen.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%