Deutscher Nationalspieler in die NBA
Ohne Pleiß kein Preis

Riese unter Riesen: Center Tibor Pleiß ist ein Schlüsselspieler der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, die im September in Berlin zur EM antritt. Nun wechselt er in die US-Liga NBA – und wird Multimillionär.
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DüsseldorfDie US-amerikanische Profi-Basketballliga NBA ist eine der lukrativsten  Sportligen überhaupt. Im Schnitt haben die 30 Teams einen Wert von 1,2 Milliarden Dollar. Und trotz Gehaltsbegrenzung fließen für Spieler die Millionen.  Begeistertes Publikum, Sport auf höchstem internationalen Niveau, dicke Gehälter – für die meisten Basketballer ist die NBA das erklärte Traumziel.

Einer, der seinen Traum nun Leben kann, ist der deutsche Tibor Pleiß. Der Klub Utah Jazz hat den 25-Jährigen, bislang in Diensten des FC Barcelona, für zunächst drei Jahre unter Vertrag genommen. Pleiß wird damit zum derzeit vierten aktiven Deutschen in der NBA. Und mit dem Wechsel von Spanien in den Mormonenstaat zum Multimillionär: zehn Millionen Dollar ist der Vertrag Medienberichten zufolge schwer.

Neben Pleiß spielen auch Chris Kaman, Dennis Schröder und Superstar Dirk Nowitzki in der US-Profiliga. Und gemeinsam mit Schröder und Nowitzki wird der gebürtige Bergisch-Gladbacher im September für die deutsche Nationalmannschaft bei der Basketball-Europameisterschaft in Berlin antreten. Nicht nur für Pleiß ist das NBA-Engagement ein Glücksfall, auch für den deutschen Basketball.

Der 2,18-Meter-Mann, der schon in Köln und Bamberg spielte, spielt die Position des Centers. Sein Hoheitsgebiet ist die Zone um die Körbe. Ein Spielertyp wie Pleiß wurde in der NBA in den vergangenen Jahren zunehmend gesucht. War über Jahrzehnte das Spiel des Centers in den USA von maximaler Körperlichkeit geprägt, hat sich das Bild des Riesen, der stumpf den direkten Weg zum Korb zumacht oder sucht, maßgeblich geändert.

„Er ist groß. Er kann den Ball schießen und ist ein exzellenter Vollstrecker am Ring“, lobte etwas Utahs General Manager Dennis Lindsey die Neuverpflichtung. Entscheidend ist dabei die Fähigkeit des guten Wurfes, gerade von außerhalb der Zone um den Korb. Dirk Nowitzki hat mit seinem Spiel diesen Spielertyp geprägt. Groß genug, um im Kampf um Blocks und Abpraller mitzumischen. Beweglich genug, um der gegnerischen Verteidigung ausweichen zu können. Und dabei selbst von der Drei-Punkte-Linie treffsicher sein.

Nowitzki wurde mit dieser Spielweise zu einem der Top-Verdiener der Liga, einmal zum wertvollsten Spieler gekürt und mit den Dallas Mavericks auch Meister. Von dieser Laufbahn ist Pleiß ein gutes Stück entfernt. Doch er gilt als hoch veranlagt, entwicklungsfähig – und er hat sich bereits in großen Ligen bewiesen.

Die kolportierten zehn Millionen, die er erhält, sind kleines Geld für einen Spieler in der NBA. Zum Vergleich: Zuletzt wurden dem Center DeAndre Jordan von den Los Angeles Clippers  110 Millionen Dollar für fünf Jahre geboten. Allerdings bieten sich NBA-Spielern in der Regel hochdotierte Werbeverträge. Womöglich lässt sich Pleiß hier bei entsprechender Leistung auf mehr Angebote als Superstar Nowitzki ein, der aus freien Stücken auf üppige Zahlungen und dauerhafte Medienpräsenz verzichtet.

Pleiß Hoffnungsträger für die EM

Für Pleiß ist der Wechsel nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll. In Barcelona, immerhin einer der besten Vereinsmannschaften, konnte sich der 25-Jährige nicht in der Startaufstellung etablieren. Während seiner Zeit bei den Brose Baskets Bamberg in der deutschen Eliteliga BBL war Pleiß Führungsspieler und gewann mit dem Klub dreimal in Folge Meisterschaft und Pokal. 2012 wechselte er zum dreimaligen spanischen Meister Caja Laboral und überzeugte auch dort. Erst der Wechsel zu Barcelona bremste den steilen Aufstieg.

Die Utah Jazz stecken nach mehreren sportlich verlorenen Jahren im Umbruch, der Deutsche wird hinter dem gesetzten französischen Center Rudy Gobert viel Einsatzzeit von der Bank aus bekommen. Er erhält damit Entwicklungsmöglichkeiten in der besten Liga der Welt. Auch Angreifer Dennis Schröder, der für die Atlanta Hawks spielt, schaffte über die Bank den Sprung in die Startaufstellung des Conference-Finalisten 2015.

Die Nachricht ist nicht zuletzt eine Anerkennung des deutschen Basketballs. Über Jahre waren Ausnahmeerscheinungen wie Detlef Schrempf, Christian Welp und eben Dirk Nowitzki die einzigen DBB-Vertreter in der NBA. Dass nun gleich zwei jüngere Spieler auf Körbejagd gehen, spricht für die Ansprüche des Deutschen Basketballbunds und den Weg hin zur Entwicklung eigener Talente.

„Ich freue mich, dass er jetzt geht, es ist der richtige Zeitpunkt für ihn in seiner Entwicklung“, sagte Bundestrainer Chris Fleming. „Das zeigt, dass wir Spieler produzieren, die das Niveau haben“, so  Fleming zur Bedeutung für den deutschen Basketball, dass zwei Jahre nach Schröder erneut ein junger Profi mit Perspektive nach Übersee wechselt. „Sicherlich ist es gut, dass wir junge Spieler haben, die in den nächsten Jahren NBA spielen und Vorbilder für die nächste Generation sein werden.“

Und es ist ein Fingerzeig für die Europameisterschaft im September. Denn auch dort soll Pleiß, wie in den vergangenen Jahren, eine tragende Rolle spielen. Ob es bei Dirk Nowitzkis wohl letztem großen Turnier als Aktiver zum Erfolg reicht, muss sich im starken Teilnehmerfeld erst noch zeigen. Pleiß dürfte in seiner Entwicklung jedoch von einer glücklichen Fügung profitieren: Alex Jensen, Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, ist zudem Co-Trainer bei den Utah Jazz.

Für Nationalspieler Pleiß ist damit ein abenteuerlicher Weg vorerst beendet. Denn die NBA hatte bereits 2010 ihre Fühler nach dem damaligen Nachwuchsspieler ausgestreckt. Im sogenannten Draft, in dem die Teams sich jeden Sommer mit jungen Spielern aus den US-Colleges und ausländischen Ligen verstärken, wurde Pleiß von den Brooklyn Nets ausgewählt.

Die tauschten die Transferrechte umgehend an die Oklahoma City Thunder. Doch beim Titelaspiranten fand sich kein Platz im Kader. So wurde Pleiß zur Entwicklung in Europa geparkt, zuletzt eben in Barcelona. Im Februar 2015 ertauschten sich die Utah Jazz die Rechte am Nationalspieler. Nun sehen sie die Zeit gekommen, dem noch kleinen Riesen aus Bergisch-Gladbach seinen Traum zu erfüllen.

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