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DLV-Spitze hofft auf starke zweite WM-Halbzeit

Etwas besser als erwartet präsentierten sich die DLV-Athleten an den ersten vier Wettkampftagen der Leichtathletik-WM in Helsinki. Bislang stehen zwei Medaillen zu Buche, zwei bis drei weitere sollen noch folgen.

Ein Jahr nach dem Olympiafiasko stehen Deutschlands Leichtathleten bei Halbzeit der WM im Plus. Zwei Medaillen wie in Athen wurden erreicht. "Chancen auf zwei bis drei weitere zeichnen sich ab", sagt Präsident Clemens Prokop mit Blick auf die Olympiazweiten Steffi Nerius (Speer) und Nadine Kleinert (Kugel) sowie Franka Dietzsch (Diskus). Dennoch sieht der Leitende Cheftrainer Jürgen Mallow Verband und Athleten an zwei Fronten in schwieriger Position: International einer immer stärkeren Konkurrenz ausgesetzt und die Erfolge vom Deutschen Sportbund national falsch gewichtet.

Mallow sieht nicht nur eine Ungerechtigkeit darin, dass eine Sportart wie die Leichtathletik mit 196 Nationen in Helsinki bei der Verteilung der Mittel durch den DSB genau so behandelt wird "wie andere mit zehn konkurrierenden Ländern in der Welt".

Kritik am Bewertungssystem des DSB

Er findet auch das Bewertungssystem des DSB in sich nicht stringent. "Es gibt darin logische Fehler. Für die Plätze fünf und acht in einem Olympiafinale gibt es die Summe X. Aber wenn dann in der gleichen Disziplin noch ein siebter Platz hinzu kommt, gibt es weniger Geld, weil man davon ausgeht, dass bei drei Finalplätzen auch eine Medaille herausspringen müsse", meint Mallow und regt eine Überprüfung der Bewertungskritierien an.

Der Cheftrainer gibt zu bedenken, dass der DLV unter dem Strich vom DSB die gleichen Mittel erhalte wie 1986: "Aber inzwischen ist Deutschland größer geworden, die Inflationsrate ist ebenfalls gewachsen und die Konkurrenz deutlich größer geworden." Der Verband könnte sich keine zusätzlichen Förderprogramme für schwache Disziplinen leisten und kämpfe unter schwierigen Bedingungen. Zum Vorwurf, es fließe zu viel in die Verwaltung, sagt Mallow: "In diesen Bereich fließen weniger als 20 Prozent inklusive der Gehälter. Das ist ein sehr niedriger Wert im Vergleich zu anderen."

Immer mehr Länder im Medaillenspiegel vertreten

Obwohl die Hälfte der Entscheidungen noch nicht gefallen war, hatten im wettergeschädigten Helsinki bereits 23 Länder Medaillen gewonnen. Mallow: "Ich erwarte, dass am Ende der WM die Rekordzahl von 41 Nationen mit Edelmetall übertroffen wird. Immer mehr Länder haben erfolgreiche Trainingssysteme, verpflichten hochkarätige Trainer und Athleten aus anderen Ländern, setzen immer höhere Fördermittel ein." Doch noch sei Europa nicht in der Situtation, dass es bald selbst Entwicklungshilfe brauche.

Mallow bezeichnete die bisherige DLV-Bilanz im 52-köpfigen Team als "ausgesprochen positiv". 25 Athleten seien angetreten, nur fünf nicht über die erste Runde hinausgekommen. Unter diesen sei Weitspringerin Bianca Kappler die erste nicht fit gestartete Athletin und Simon Kirch bei seinen schwachen 47,45 Sekunden nur deshalb im 400-m-Einzelrennen angetreten, weil er dies als gute Vorbereitung auf die Staffel angesehen habe.

Windverhältnisse ließen Träume platzen

Speerwerfer Christian Nicolay sei wie andere an schwierigen Windverhältnissen gescheitert, Stabhochspringer Lars Börgeling habe wie zwölf von 13 Springern nach der langen Zwangspause (Anlage beschädigt) nicht die anvisierte Höhe bewältigt. Den ausgeschiedenen Dreispringer Friedek zu Hause zu lassen, wäre eine vertane Medaillenchance gewesen, hatte Mallow schon im Vorfeld betont, wohlwissend um das hohe Risiko eines frühzeitigen Scheitern des Ex-Weltmeisters.

Entscheidend sei, dass man nach den Fehlschlägen der beiden letzten Jahre spüre, dass die Auswahl der Athleten richtig gewesen sei wie die Vorbereitung und die Einstellung vor Ort. Für Prokop ist dies die wichtigste Erfahrung der bisherigen WM: "Denn mit vielen Medaillen können wir so kurz nach Athen nicht glänzen. Wir sehen aber, dass wir im Hinblick auf Olympia 2008 und die WM 2009 in Berlin auf einem guten Weg sind."

© SID

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