Doping im Radsport
Noch immer auf Bewährung

Ullrich, Armstrong, Landis – der Radsport hat eine dunkle Vergangenheit. Seitdem wurde viel getan, um flächendeckendes Doping zu verhindern. Doch reichen die Maßnahmen oder dopen die Teams einfach nur geschickter?
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DüsseldorfFloyd Landis hat sich am 20. Juli 2006 vor einer schweren Alpenetappe ein Testosteron-Pflaster unter den Hoden geklebt. Ein paar Stunden später hat der Radprofi des damaligen Phonak-Teams eines der größten Comebacks in der Geschichte der Tour de France in den Asphalt geradelt. Noch ein paar Tage später stand er in Paris ganz oben, und trug das begehrteste Radtrikot der Welt – das gelbe Leadertrikot der Tour de France. Drei Tage später musste er es wieder abgeben.

Ein Testosteron-Pflaster: Originell ist das nicht. Vor allem nicht, da drei Wochen zuvor mit dem Fuentes-Blutdoping-Skandal eines der größten Doping-Vergehen der Radsportgeschichte aufgedeckt wurde – ein Skandal, dem auch der deutsche Rennsport-Held Jan Ullrich zum Opfer fiel. Landis wurde der Tour-Sieg aberkannt, sechs Jahre später kostete Lance Armstrong der Doping-Betrug alle sieben Tour-Titel und der einzige deutsche Tour-Sieger Jan Ullrich ist in Deutschland bis heute eine persona non grata. Die Radsportstars der vergangenen Jahre haben verbrannte Erde hinterlassen.

Jetzt soll alles anders sein. Nach der Skandal-Dekade zwischen 1997 und 2007 ist die Tour, ist der Radsport sauber, heißt es. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, der zusammen mit der radsportbegeisterten Familie Teutenberg den diesjährigen Tour-Start in NRWs Landeshauptstadt eingefädelt hat, glaubt das auch: „Jeder Radprofi – und die verdienen ja ihr Geld damit – weiß: Wenn noch einmal etwas passiert, dann ist dieser Sport endgültig erledigt.“

Doch kaum ist es gesagt, wird drei Tage vor dem Tour-Start Andre Cardoso vom Team Trek-Segafredo, für das auch der deutsche Radsportstar John Degenkolb fährt, des Epo-Dopings überführt. Ein Einzelfall? Vermutlich. Der Fall Cardoso zeigt allerdings zweierlei: Erstens: Doping spielt noch immer eine Rolle. Zweitens: Das Anti-Doping-System im Radsport funktioniert – einigermaßen zumindest.

Blutpässe, unangekündigte Trainingskontrollen und rigide Strafen bei Doping-Vergehen sorgen dafür, dass flächendeckendes Doping kaum noch möglich ist. Die Radprofis akzeptieren sogar nahezu einer Totalüberwachung, um den Sport professionell ausüben zu können. Sie müssen den Doping-Fahndern jederzeit angeben, wo sie sich aufhalten. Selbst im Urlaub, beim Einkaufen oder auf Familienfesten können die Tester der Wada aufkreuzen. Wer fehlerhafte Angaben zu seinem Aufenthaltsort macht, wird sofort gesperrt.

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