Dopingskandal weitet sich aus
Dopingsumpf statt Pokaltriumph

In die in Spanien aufgedeckte Doping-Affäre sollen nach Aussage des Sportarztes und mutmaßlichen Drahtziehers Eufemiano Fuentes auch Fußballer, Tennisspieler und Leichtathleten verwickelt sein.

HB MADRID. Sportler aus Richtungen rücken immer mehr ins rampenlicht. Fuentes habe nicht "nur" Radprofis "behandelt" beziehungsweise beraten, erklärte der Mediziner am Mittwoch fast schon beleidigt in einem Interview mit dem spanischen Radiosender SER. So habe er auch Vereine der ersten und zweiten spanischen Fußball-Liga betreut oder zumindest "Behandlungen" vorgeschlagen, die deren Leistung gesteigert hätten.

Einer Schuld ist er sich nicht bewusst, denn seine Methoden könnten nicht als Doping eingestuft werden: "Ich habe kein Verbrechen begangen und fühle mich auch nicht als Krimineller. Es sind biologische Behandlungen, um Sportler wieder fit zu machen. Mir ging es nur ums Wohl meiner Patienten."

Namen könne er wegen seiner ärztlichen Schweigepflicht aber nicht nennen. Nach Fuentes' Worten habe er zu einigen der bislang in dem Blutdoping-Skandal genannten Sportler gar keinen Kontakt gehabt. Es seien Namen gefallen, die er gar nicht kenne. "Einige von mir behandelte Radprofis sind noch bei der Tour de France", versicherte er. Warum hingegen bestimmte Fahrer ausgeschlossen worden seien, könne er nicht nachvollziehen. Im Zusammenhang mit der Affäre waren am vergangenen Freitag neun Profis von der Teilnahme an der 93. Tour de France ausgeschlossen worden, darunter auch Jan Ullrich und der Spanier Oscar Sevilla. Ihr Team T-Mobile hatte sie wegen einer möglichen Verwicklung in den Skandal suspendiert.

Spaniens oberste Sportbehörde (CSD) hatte zuvor erklärt, die Doping-Fahnder hätten nur Radprofis, aber keine spanischen noch ausländischen Fußballer oder Tennisspieler im Visier. Die CSD reagierte damit auch auf den Bericht einer französischen Zeitung, die das spanische Tennis-Idol Rafael Nadal als Kunden von Fuentes genannt hatte. Der 20-Jährige wies die Vorwürfe zurück. Dass die Affäre seinen Ruf ruiniert habe, dessen ist sich Fuentes aber bewusst. "Ich werde wohl nicht mehr als Sportarzt praktizieren können." Er habe aber noch andere Projekte. Fuentes war als mutmaßlicher Drahtzieher des Doping-Rings am 23. Mai zusammen mit vier anderen Verdächtigen festgenommen worden, unter ihnen auch den Hämatologe José Luis Merino, Leiter eines Madrider Speziallabors, und Manolo Saiz, der Chef des früheren Liberty-Radteams. Fuentes und Merino befinden sich nach Zahlung einer Kaution von 120 000 Euro auf freiem Fuß.

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