Eine neue Ära
Erik Zabel mit ungewohnten Freiheiten bei der Tour

In den Jahren zuvor oftmals im Dienste von Jan Ullrich, genießt Erik Zabel 2006 als Kapitän des Milram-Teams lang ersehnte Freiheiten. "Diese Rolle ist schon sehr angenehm", so der 35-Jährige.

Nach Jahren der "Knechtschaft" ist für Radprofi Erik Zabel eine neue Ära angebrochen. Als Kapitän des Milram-Teams genießt er bei der diesjährigen Tour de France lang ersehnte Freiheiten. In den Jahren zuvor hatte sich der 35-Jährige trotz eigener beachtlicher Erfolge oftmals anderen Fahrern unterordnen müssen und stand zumeist im Schatten von Jan Ullrich. "Diese Rolle ist schon sehr angenehm. Wenn man sich überhaupt nicht mit den alltäglichen Aufgaben des Domestiken beschäftigen muss, ist das ein echter Luxus", sagt der Sprintspezialist.

Dennoch schwingt keine Häme mit, wenn Zabel über die Affäre um seinen früheren Teamkollegen spricht: "Diese Geschichte ist schlimm für den Radsport in seiner Gesamtheit und hat die Stimmung in den ersten Tagen getrübt. Der Profiradsport wird natürlich trotzdem überleben, aber es geht schließlich auch darum, wie sich das auf den Jugend- und Nachwuchsbereich auswirkt", sagt der gebürtige Berliner, der am Freitag seinen 36. Geburtstag feiert.

Durch seinen Sohn erlebe er die Folgen hautnah. "Seit Rik in der Schülerklasse Rad fährt, sehe ich mit eigenen Augen, wieviel Mühe es macht, einen kleinen Verein zu finanzieren. Wenn wir Profis so einen Mist bauen, haben die noch mehr Schwierigkeiten, das Geld zusammenzukratzen", weiß Zabel, der sich "manchmal schon schämt", dieser Szene anzugehören: "Beim Skandal 1998 hat der Radsport schon einmal eine Breitseite gekriegt und alle haben gehofft, dass daraus Lehren gezogen würden. Aber es hat sich gezeigt, dass das nicht der Fall ist."

"Das wird ein harter Fight"

Zu gerne würde er in den kommenden drei Wochen für positive Schlagzeilen sorgen. Dass er auch im Herbst seiner Karriere immer noch zur Weltspitze gehört, bewies Zabel bereits auf der ersten Etappe als Dritter. Seinen alten Ehrgeiz kann er jedoch nicht leugnen: "Das sah schon ganz gut aus, aber es wäre noch schöner, wenn ich die beiden ersten auch noch hinter mir gelassen hätte." Zwölf Tagessiege hat er bisher auf dem Konto.

Doch während der Kampf ums Gelbe Trikot durch die Suspendierung von Ullrich und Mitfavorit Ivan Basso (Italien) die vermeintlichen Hauptdarsteller verloren hat, ist die Sprinterelite bis auf Zabels verletzten Teamkollegen Alessandro Petacchi komplett am Start. "Das wird ein harter Fight, und ich muss abwarten, wie sich der Kampf um die Punkte entwickelt. Ich werde von Tag zu Tag sehen, was geht."

Die Erfahrung aus 14 Jahren Profisport soll ihm dabei helfen. Seine Sicht auf das Rennen habe sich inzwischen aber geändert. "Ich sehe einen jungen Fahrer von 25 Jahren, der seine erste Tour fährt, und stelle mir vor, was der noch vor sich hat. Da bin ich manchmal froh, dass ich das nicht mehr zwölf Jahre machen muss." Trotz allem aber ist ihm die Freude über den Start bei seinem erklärten Lieblingsrennen nach einem Jahr Abstinenz deutlich anzumerken: "Ich habe schon ein Kribbeln gespürt, als es losging."

© SID

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