Einstweilige Verfügung gegen Olympia-Ausschluss
Steuer klagt sich Turin-Nominierung ein

Der Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer hat gegen seine Ausbootung aus dem deutschen Olympia-Team eine Einstweilige Verfügung erwirkt. Das Berliner Landgericht entschied am Montag, dass der Ex-Weltmeister für die Winterspiele vom 10. bis 26. Februar in Turin nominiert werden muss.

HB HAMBURG/CHEMNITZ. Danach muss das Nationale Olympische Komitee (NOK) Steuer bis Dienstag beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) melden. Das NOK prüfte daraufhin einen Widerspruch. "Wir lassen durch unsere Anwälte zeitnah prüfen, wie wir juristisch reagieren", sagte NOK-Pressesprecher Michael Schirp der dpa.

Der 39 Jahre alte Coach war in der vergangenen Woche aus dem Turin-Team gestrichen worden, nachdem ihm Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit der DDR zur Last gelegt worden waren. Steuer wehrt sich gegen die Beurteilung von Unterlagen der Birthler Behörde, - in denen er als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt wird. "Ich habe niemandem geschadet. Ich habe Berichte abgegeben, die für mich völlig belanglos waren", bekräftigte Steuer, der vor zwei Wochen die Chemnitzer Paarläufer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy zur Vize-Europameisterschaft geführt hatte. Neben dem juristischen Weg bereitet Steuer seine Schützlinge weiterhin auf Olympia vor. "Das Paar steht im Vordergrund, nicht ich."

Inzwischen hat auch die 22 Jahre alte Aljona Sawtschenko ihre Zustimmung gegeben, möglicherweise ohne ihren Coach nach Turin zu fahren. "Sie hat gesagt, dass sie fährt", bestätigte Reinhard Mirmseker, Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Die gebürtige Ukrainerin hatte erst am 13. Januar die für den Olympia-Start notwendige deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. "Das Ganze geht an den Aktiven nicht spurlos vorbei, deshalb müssen wir jetzt alles tun, dass das Paar sich in Ruhe auf Olympia vorbereiten kann", betonte Mirmseker.

Für die vorsorglich ebenfalls wegen Stasi-Kontakten zurückgezogene Trainerin Monika Scheibe ist der Berliner Knut Schubert ins Team gerückt. "Wenn meine Hilfe benötigt wird, dann mache ich das", bestätigte der Coach von Rebecca Handke und Daniel Wende (Möhnesee/Essen), die als Europameisterschafts-Achte knapp das Olympia-Ticket verpasst haben. Schubert war von der Birthler-Behörde schon überprüft worden.

Er soll nun die Konkurrenten und EM-Siebten Eva-Maria Fitze/Rico Rex (Chemnitz) und möglicherweise auch Sawtschenko/Szolkowy in Norditalien betreuen. "Wir haben uns damit abgefunden, bei uns überwiegt das Gefühl der Freude, bei Olympia dabei zu sein", sagte Rex am Montag beim Training. Erst kurz vor Weihnachten hatte Scheibe Fitze/Rex übernommen, weil Steuer die Zusammenarbeit mit seinem zweiten Paar überraschend beendet hatte.

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