Eishockey DEL
DEL-Play-offs ziehen Fans in ihren Bann

Gebannt blicken die Eishockey-Fans heute nach Berlin, Düsseldorf, Mannheim und Hannover. Die ersten Viertelfinal-Spiele in den Play-offs der Deutschen Eishockey Liga stehen an.

Ein betriebsinternes Duell mit den Topteams 2009, die Revanche für das Pokalfinale, ein rheinisches Straßenbahn-Derby und das Treffen zweier Krisenklubs: Das Play-off-Viertelfinale um die 89. deutsche Eishockey-Meisterschaft birgt viel Brisanz. Die Rollenverteilung vor dem Auftakt am heutigen Freitag (19.30 Uhr) ist allerdings klar: Titelverteidiger Eisbären Berlin ist der Topfavorit und kann sich eigentlich nur selbst schlagen.

Der erste Gegner auf dem Weg zum vierten Meistertitel in fünf Jahren kommt aus dem eigenen Haus: Die Hamburg Freezers, die wie die Eisbären dem US-Milliardär Philip Anschutz gehören, nehmen den Schwung der Vor-Play-offs mit. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", riefen die Fans nach dem entscheidenden 4:2-Sieg gegen die Frankfurt Lions, mit dem der Klub (vor 2002 München Barons) zum neunten Mal in Folge das Viertelfinale erreichte.

Freezers geben sich selbstbewusst

Die Erfolge der vergangenen Wochen haben die Hamburger selbstbewusst gemacht. "Berlin ist Favorit, aber wir haben in diesem Jahr gezeigt, dass wir jeden Gegner schlagen können und einen langen Atem haben", sagte Nationalspieler John Tripp, der am Mittwoch das letzte Tor erzielte. Der Deutsch-Kanadier lebte gegen Frankfurt das neue Selbstverständnis der Freezers vor: Im dritten Spiel kehrte er trotz einer Verletzung im Gesicht, mit acht Stichen genäht, aufs Eis zurück und führte sein Team zum ersten Sieg der Serie.

Dank Trainer Paul Gardner, der am 13. Dezember den erfolglosen Bill Stewart ablöste, spielt nicht nur Tripp nach ganz schwacher erster Saisonhälfte wie ausgewechselt. Die gesamte Mannschaft ist nicht wiederzuerkennen, holte seit Jahresbeginn mit 39 Punkten nur zwei Zähler weniger als Vorrundensieger Berlin und rollte das Feld von hinten auf. "Dieses Team hat unglaublichen Charakter", lobte der Coach.

Der Titelverteidiger lässt sich davon nicht beeindrucken. "Wir wollen ins Finale und den Titel verteidigen", sagte Eisbären-Trainer Don Jackson, der die fast zwei Wochen Pause für intensives Training nutzte: "Wir haben in den letzten Tagen noch einmal hart trainiert. Die Mannschaft ist in absoluter Topform."

Ausgeruht gehen auch die Hannover Scorpions in die Neuauflage des Pokalfinales gegen den niedersächsischen Rivalen Grizzly Adams Wolfsburg. Vor zweieinhalb Wochen verlor das Team von Hans Zach mit 3:5 den ersten Titel der Saison, jetzt hat der Ex-Bundestrainer Höheres im Sinn. Berlin sei zwar der Topfavorit, "aber wir lassen uns nichts gefallen. Wenn wir die erste Runde überstehen, dann sind wir der größte Konkurrent", sagte Zach ungewohnt angriffslustig.

Straßenbahn-Derby elektrisiert die Massen

Während das Niedersachsen-Derby in Hannover und Wolfsburg für volle Hallen sorgen soll, elektrisiert das Straßenbahn-Derby die Fans im Rheinland. Über 10 000 Zuschauer erwarten die DEG Metro Stars am heutigen Freitag, das zweite Spiel am Sonntag (14.30 Uhr/live bei Premiere) in Krefeld ist bereits ausverkauft. "Ich will so schnell wie möglich Meister mit der DEG werden, da kommt Krefeld gerade recht", tönte DEG-Kapitän Daniel Kreutzer.

Die Pinguine träumen indes von einer Wiederholung des Wunders von 2003, als sie ebenfalls von Platz sechs und zunächst gegen die DEG sensationell zur Meisterschaft stürmten. "Wir können aber keinen mehr fragen, es ist keiner mehr da", sagte Geschäftsführer Wolfgang Schäfer. Jetzt sind vor allem die vielen Talente in der jüngsten Mannschaft der Liga gefragt. "Für sie sind die Play-offs Neuland", sagte Kapitän Herberts Vasiljevs: "Jetzt können sie beweisen, dass sie die Zukunft des Klubs sind."

Fowler auf dem Prüfstand

Sich beweisen kann ab Freitag (19.30 Uhr/live bei Premiere) auch Teal Fowler als Interimstrainer beim DEL-Rekordmeister Adler Mannheim gegen die Nürnberg Ice Tigers. Der langjährige Co-Trainer ist einer von fünf Kandidaten, die im Rennen um den Job als Chefcoach in der nächsten Saison sind. "Ich will die Mannschaft aus dem Tief nach vorne bringen", sagte der US-Amerikaner angesichts von sechs Niederlagen in den letzten sieben Vorrundenspielen: "Eigene Interessen stehen hintenan."

Während Mannheim mit einem viertägigen Trainingslager in Garmisch-Partenkirchen gegen die sportliche Krise kämpfte, bangt Nürnberg weiter um das wirtschaftliche Überleben. Die angekündigte Übernahme der Ice Tigers Gmbh durch eine Investorengruppe verzögert sich weiter, weil noch mit den Gläubigern verhandelt wird.

© SID

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