Eishockey National
"Bronze-Held" Schloder macht die 60 voll

1 976 feierte Alois Schloder bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft als Bronzemedaillengewinner einen unvergesslichen Triumph. Heute wird der Landshuter 60 Jahre alt.

Die Schlittschuhe schnürt Alois Schloder nur noch selten. "Wenn die Enkel nicht glauben, dass der Opa noch ganz gut ist, dann geh ich schon mal als Überraschung zu Weihnachten aufs Eis", sagt der langjährige Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, der am heutigen Samstag seinen 60. Geburtstag feiert.

Seinen Sport, den er selbst 23 Jahre in der Bundesliga ausübte, der ihn zu zwölf Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen führte und ihm mit Bronze 1976 in Innsbruck einen unvergessenen Triumph bescherte, erlebt er sonst nur noch aus der Perspektive des Zuschauers. Wenn Enkel Lukas in der Schülermannschaft des EV Landshut trainiert, schaut er ebenso zu wie bei den Spielen seines ehemaligen Klubs in der zweiten Liga.

Und wenn seine Nachfolger in der Nationalmannschaft um olympische Ehren oder WM-Platzierungen kämpfen, blickt er - als TV-Experte mit dem ZDF-Mikrofon in der Hand - besonders genau hin. Dabei ärgert ihn immer wieder aufs Neue, was aus seinem Sport geworden ist. "Das Tragische ist, dass diese wunderbare Sportart das ganze Jahr versteckt ist und die Leute Eishockey nicht mehr wahrnehmen."

Wenn die Puckjäger dann wie bei Olympia 2006 in Turin aus dem Pay-TV herausgeholt und wieder einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden, spielen sie dennoch nur eine Nebenrolle. "Das war eine Katastrophe, da war Eishockey, eine Kernsportart der Winterspiele, nur noch Pausenfüller."

Das war noch ganz anders, als Schloder 1976 mit Stars wie Erich Kühnhackl oder Lorenz Funk sensationell die Bronzemedaille gewann. "Unglaublich" war dieses Erlebnis, der größte Erfolg seiner Karriere, trotz der Meistertitel mit Landshut 1970 und 1983. Olympia bescherte ihm aber auch den Tiefpunkt seiner Laufbahn. 1972 in Sapporo wurde er der Einnahme von Ephedrin überführt und seitdem als erster Dopingsünder der Winterspiele geführt, was ihn auch 35 Jahre danach noch auf die Palme bringt.

"Da bekomme ich heute noch einen dicken Hals", sagt Schloder über den "Doping-Krimi". Vom Mannschaftsarzt hatte er damals ein kreislaufanregendes Mittel bekommen, das Ephedrin enthielt. Die Funktionäre ließen den Stürmerstar aber im Regen stehen, drängten ihn sogar, die Schuld auf sich zu nehmen. Doch die Wahrheit kam ans Licht, Schloder wurde rehabilitiert, seine Sperre aufgehoben.

Mittlerweile ist der 206-malige Nationalspieler, der in 805 Bundesligaspielen 496 Tore für seinen EVL erzielte, sogar in die Hall of Fame des Weltverbandes aufgenommen worden. "Wenn ich gedopt hätte, wäre ich da nicht drin", sagt Schloder, den das Thema Doping weiter beschäftigt. "Wenn ich sehe, was heute passiert, kann ich nur sagen: Es sollte ein Schnitt gemacht werden. Wer ab 1.1.2008 beim Doping erwischt wird, sollte auf Lebenszeit gesperrt werden. Jeder, der betrügt, muss wissen, dass seine Karriere beendet ist", schlägt er vor und blickt mit einem mulmigen Gefühl auf Olympia 2008: "Ich freue mich jetzt schon auf Peking, das wird der Wahnsinn."

Doch wenn Schloder am 21. August zusammen mit seiner Frau Margit, die dann ebenfalls 60 wird, "unseren 120. Geburtstag" feiert, wird er im Festzelt mit 100 Gästen zufrieden auf seine Eishockey-Karriere zurückblicken. Dass er dem EV Landshut immer treu blieb, hat er eigentlich nicht bereut. Hatte er so doch die Möglichkeit, als Sportamtsleiter in seiner Heimatstadt als einziger Bundesliga-Spieler in seinem eigenen Stadion zu spielen.

Nur eines hätte Schloder, der seit zwei Monaten im Vorruhestand ist, im Nachhinein gerne anders gemacht. Als er 1973 ein Angebot von den Phoenix Roadrunners aus der damaligen Profiliga WHA hatte, sagte er auf Druck des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ab. "Dabei war das Flugticket schon bezahlt, und alles war klar", erinnert sich Schloder: "Heute fragen die Enkel: Warum bist du nicht nach Amerika gegangen?"

© SID

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